Ausgabe 
2.6.1767
 
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vrid VUwtibtm' 173

Po/Hcr. Ich möchte doch nicht gern, daß Sie jemand meinen Na­men entdeckten, ehe es mit der Einführung der obengenanten Gesetze seine Richtigkeit hat.

Meine Herren!

' Man mag mir sagen, was man will; so haste ich die Nachrichten von den Gesetzen in China/ welche im neunzehenden Stücke Ihres Wo- chenblats gegeben werden, für eine blose Satyre auf die zügellose Plau- derhaftigkeit unsers Geschlechts und auf die schamlose und nur allzu gewöhn, liebe Unterredungen desselben von den Fehlern andrer Leute. Ich will Ih­nen jetzt öffentlich gestehen, daß diese Satyre bey mir eine recht gute Wir­kung gehabt und einen recht lebendigen Abscheu für allem lieblosen Tadel meiness Nächsten in mir erregt hat. Ich habe mir von nun an fest vorge­nommen nie wieder in Gesellschaften die Vergehungen meiner Nebenmen­schen zu erzählen, und wenn ich andre davon reden höre, so sollen ihre Ge­spräche eine Art von Geheimnisse seyn, die in meiner Brust sterben sollen. Ich will es künftig als eine Beleidigung ansehen, wenn man mich mit nichts als mit den Fehlern andrer Leute unterhalten will und ich will den­jenigen für einen gefährlichen Menschen halten, der mir dergleichen unan­genehme ,unnütze und menschenfeindliche Nachrichten giebt. Seine Nach­richten will ich für Lügen halten, weil ich die geheimen Absichten und Ur­sachen nicht weis, warum er den andern bey mir tadelt und verläumdet. Ich will bey allen tadelsüchtigen Erzählungen mehr an mich selbst, als an die Person denken, die getadelt wird, um vielleicht in diesen Erzählungen etwas anzutreffen, das zu meiner eignen Bessrung dient. Und vornehmlich will ich alle Gesellschaften zu meiden suchen, wo man Witz und Verstand genug hat, die Splitter in dem Auge des Nächsten wahrzunehmen, und wo man so blind ist, den ungeheuren Balken in seinem eignen Auge nicht zu bemercken. Und wenn ich ja wider meinen Willen in solche nieder­trächtige Gesellschaften gehen muß; so will ich mich doch so bald aus den­selben entfernen, als es der Wohlstand zuläßt. Lauter Vorsätze, worauf Mich ihre Satyre gebracht hat.

Ich wünsche weiter nichts, als daß alle ihre Leserinnen Ihnen für diese Satyre eben so danckbar seyn möchten als ich bin. Allein ich be­fürchte, die wenigsten werden den Gebrauch davon gemacht haben, der für mich so lehrreich war. Wenigstens kann ich Sie versichern, daß andre dieses Stück Ihres Mochenblars für etwas ganz anders angesehen Haden,

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