Ausgabe 
28.10.1766
 
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mrd Nachrichten. zfr

thun, sie Fönten also nicht so oft an einander schreiben. Welch ein Don­ner chlag für Sillis Familie, als sie nach einiger Zeit die Nachricht echiel- ten, Sidney sey todt. Der Greis ward krank, und fein Ende nahete sich. Silli überließ sich der finstersten Schwermuth.

Eines Tages vertiefte er sich in einen Wald, der an der Heerstrasse lag. Er lag an einem Baume, zur Erde gebeugt, und weinte um Sid- neye». Himmlischer Engel hörest du mich? Siehest du meine Thrä- nen, und die Thränen meiner ganzen Familie? Dich soll ich nicht mehr se­hen? Theuergeliebrer Sidney! -

Er ist in deinen Armen, sagte jemand, der sich m Srllrs Arme warf; es war Sidney selbst. Sidney! Mehr fönte der ohnmächtige Silli nicht sagen. Er erwachte wieder. Ja ich bin es, mein liebster Silli/ die Freundschaft trieb mich vom Ende der Welt zu dir zurück. Ich habe meinen Wagen nach deinem Gute geschickt, weil mir ein Bauer sagte, daß du in diesem Holze wärest; ich habe mir das Vergnügen ge­macht , dich zu überfallen. ,

Sind sie es gewiß, Sidney! Kommen sie mit mir, das Werk Ihrer Menschenliebe zu sehen, meine Kinder, die Ihnen zugehören. Ist es gewiß, mein Freund, daß ich Sie umarme ? Und warum hat man mich mit der schrecklichen Nachricht getödtet ? - Sie sollen es erfahren, kommen Sie mit mir. Sie kamen zuerst in das Zimmer des alten Silli< er tonte nichts mehr als Sidney die Arme entgegen strecken. - Mein liebster Sohn, mein Freund! Und auf einmal warf sich eine liebenswür­dige junge Frau, drei) zarte Kinder, und Silli selbst, dem Sidney zu Füssen, und umfaßten weinend seine Knie. Unter dem Schluchzen hörte man nichts, als das Wort: Unser Wohlthater! Sidney hob sie auf, und umarmte sie und weinte. So einen Anblick kan nur ein Tugendhaf­ter haben! Sidney/ rief Silli bey dieser Scene aus, empfinden Sie nun das Entzücken der Wohlthatigkeit?

Sidney unterhielt sich lange mit Julien und ihrem Manne; er prieß ihre Reize und ihre Tugend. Die Kinder drängten sich zu neuen Umarmungen. Der älteste Sohn von sechs Jahren sagte zu ihm, mein Herr, mein lieber Papa hat uns oft gesagt, wir solten fleißig für Sie be­ten. Wir haben es auch alle Tage gethan. - Sie sind auch unser Vater.

Sidney blieb einige Wochen bet; seinen Freunden, der Alte ward durch die Freude wieder gesund und neu belebt. Sidney erzählte ihm, , Uu 2. daß