Ausgabe 
21.10.1766
 
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542 Giesisihe wöchentlich^B gemeLnnZyige Attzetzen

mich herab ließ, ebenso Vie! Stuffen des Schmerzes, die ich herabstieg: ich sähe nichts als meinen Vater und mein Unglück. Ich hatte ehemals vielen, die ich für meine Freunde hielt, allerhand Dienste erwiesen; kaum hatte ich nur das Ansehen eines Unglücklichen, als sie wie ein Nebel vor meinen Augen verschwunden. Noch eine Hülfe blieb uns übrig: mein Schwager liebte meine Schwester, die mein Vater stets so zärtlich geliebt, und der er viel Gutes gethan hatte. Sie, hoste ich, solte ihren Mann bewegen, meinem Vater beyzustehen; ich eilte zu ihr. Sie nahm mich mit einem Kaltsinn auf, den meine Liebe mich nicht soglelch bemerken ließ. Ich entdeckte ihr mein Anliegen. Bey jedem Worte zeigte sich in ihrem Ge- fichte weniger Zuneigung und Vertraulichkeit; ihre Unempfindlichkeit ver- rieth sie. Ihr Mann liesse bauen, war ihre Antwort, er habe selbst Kin- xt)er. Mein Vater, setzte sie hinzu, hat sich in feinem Betragen versehen;

er hat andere Freunde und Verwandten, die reicher sind als wir, denen kan er seine Umstande entdecken; und du, durch welchen sonderbaren Zufall hast du keine Bedienung^ Du wirst niemals lernen dein Glück zu machen.- Ich werde niemals lernen unmenschlich zu seyn. Ich gehe, grausame hart­herzige Schwester, dein Vater, der dich zärtlich lrebt, stirbt im Elende. Gehe Unglückliche. Ach mögten deine Kinder dich niemals für drö Ver­brechen bestrafen! - Ich kam zu meinem Vater. Ich wolte ihm den neuen Schmerz verheken; allein er lag zu schwer auf meinem Herzen. Oh­ne eS zu wissen, sagte ichs. Er empfand das ganze Gewicht dieses Un­glücks, und ertrug es mit Muth und mit Geduld. Er entschuldigte sogar meine Schwester: Du mußt ihr vergeben, sie muß ihrem Manne gehor­chen, und ihre Kinder. - O mein Vater, das, das solte sie alle Ihre Rechte kennen lehren! -

Ach! mein Herr, ich habe Ihnen noch nicht alles gesagt. - Mein unglücklicher Vater ward gefangen gesetzt. Ich fiel dem Gläubiger zu Füssen; er stieß mich wild und unerbittlich zurück, und ich nahm ihm das Leben nicht! Alle Hülfe ward mir versagt. Nun hatte ich alles verkauft. Stellen Sie fich das schrecklichste Bild vor : mein Vater im Gefängnisse, wo er Hungers sterben solte, sein Sohn im Elende, von der ganzen Welt verlassen, von Ungeheuren umringt. - Mein Herr - ich bin vom Stan­de - ich kan nicht kriechend seyn, ich denke zu groß dazu. - Die Natur rief mir zu, ich opferte mich auf (hier unterbrach eine Menge Seufzer und Thränerr des Unbekannten Stimme) ich entschloß mich, für meinen Va-

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