Wieflsche wöchentlich- gMWWM KlUUN mib Mchrtchtt«.
Sieben und dreißigstes Stuck.
Dienstags den ißten Sept. 1766.
MN Hochfttml. Hessen-Darmstädtischer gnädigsten Erlaubnis.
%i( - Ne fraena animo permitte calenti,
Da fpatium tenuemque moram: male cun&a miniftrat
Impetus - - STATIV,?.
^^ch muß mich heute der leidenden Frau Belinde* ein wenig annehnren.
Sie klagt mit dem völligsten Rechte über das unnatürliche Betra- gen Ihres Mannes, daß er manchmal so sehr gegen sie auffahre und bey einem emzigen Wort, das ihm nicht recht gefüllt, sogleich inHi- ^egerache, sie beschimpfet und mit allerhand Schmähungen überhäufet,' und daß er dieses alles nicht sowohl thue, tvenn er mit ihr allein sey, als Vielmehr in der Gegenwart andrer Leute.
Mir kommt es schon sehr pöbelhaft und abgeschmackt vor, wenn ein Jjerr über seine Bedienten in andrer Leute Gesellschaft hitzig wird; wenn ich aber sehe, daß ein Mann seine Frau öffentlich über den geringsten Fehler, der manchmahl nur blos in der Einbildung besteht, lächerlich macht; so weis ich deynahe nicht was ich von einem solchen Manne denken soll. So viel ist richtig, daß ein solcher Mann nicht allein überharlpt eine sehr schlechte Lebensart, und sehr niederträchtige Gesinnungen haben, sondern auch sich einbildm muß, seine Frau sey nur dlos da, um seine unanstan-
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•. S. das dreißigste Stück, Seite 246.


