398 Giesischewöchentlich ❖ gemeinnützige Anzeigen
Lehrt die tägliche Erfahrung. Er darf nur jemand auf sich loskommen sehen, so lauft er schon weg und verkriecht sich. Es ist ihm bange, wenn sich jemand zum Besuch bet; ihm anmelden läßt, und noch viel banger wird ihm, wenn er andre besuchen soll. Es ist ihm unbeschreiblich bange, wenn er mit einem vornehmen und angesehenen Manne reden soll. Er wird bestürtzt, vergißt, was er hat sagen wollen, sängt an zu stammeln und nicht selten verstummt er ganz, so wie jener Bürgermeister einer kleinen Land-Stadt, welcher Kayser Carl» VI. auf der Durchreise compli- mentiren sollte, aber von feiner ganzen wohlstudierten Rede bey Erblickung des Monarchen mehr nicht hervorbringen konnte, als: Allerdurchlauch- emster, allergrosmächtigster Herr allmächtiger Schöpfer Himmels der Erden. Der Blöde ängstigt sich, wenn er in einer grosen Gesellschaft erscheinen soll. Bey seinem Eintritt in die Gesellschaft ister wie halb todtundohneBewußt seyn, ob er männlichen oder weiblichen Geschlechts ist, und wenn ev nun wirklich in die Gesellschaft getretten ist, so gleicht er einem Vogel, den man meinem verschlossenen Zimmer herumjagt und der vor Angst nicht weis, wo er hin fliehen soll. Wird er von jemand gefragt, so erröthet er und weis nicht, was er antworten soll. Seme Stimme, sei, ve Complimenten und überhaupt fein ganzes äusserliches Betragen ver- rath lauter Furchtsamkeit. Er weis eben so wenig, was er mit seinen Hängen anfangen, als er weis, wo er feine Füße hmlegen soll. Alles beunruhigt, alles ängstigt, alles martert ihn. Er getrauet niemand anzusehen und erschrickt, wenn er merkt, daß ihn ein andrer anschaut. Wer es wagen wollte, einem Blöden öffentlich Vorwürfe zu machen, der würde in Gefahr stehn, einen Menschen ums Leben zu bringen. König Philipp 11. in Spanien sagte feinem ersten Minister, dem Cardmal Espinoja, nur die Worte: Lardirrall reißt/ daß id> Präsident bin; und dieser starb vor Schrecken wenige Tage hernach. Eben dieser Herr merkte, daß ihm einer seiner vertrautesten Ministers über eine Frage keine ganz richtige Antwort gäbe. was/ sagte der König, ihr belügt mich. Der Mini- Ker geht vom König weg, legt sich und stirbt. * Es ist nicht unmöglich, daß einem Blöden eben dieses Schicksal begegnen kann.
Die Blödigkeit ist aber auch eine Mutter von unzählige» Fehlern, die im gemeinen Leben begangen werden und durch welche der menschlichen Gesellschaft mehr Schaden zu wächst, als man vielleicht denken möchte.
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♦ S. von Mosers moralische und politische Schriften - rten Band Seite 404.


