Ausgabe 
8.7.1766
 
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MeLtte Herrn!

Da Sie sich als einen Sittenrichter Ihrer Landsleute aufgeworfen haben; so scheint es mir Ihren Absichten gemas zu seyn, wenn Sie sich zu weilen ein wenig mehr um den Wohlstand und das'auserliche Bettagen be­kümmerten , als es zu meiner größten Verwunderung bisher geschehen ist. O wie viel könnten Sie da noch verbessern! Sie werden es vielleicht selbst schon bemerkt haben, wie uneinig wir noch unter uns selbst sind in den Sa­chen, die den Wohlstand betreffen, und es wäre zu wünschen, daß wir ein­mal darin völlig übereinstimmten, oder doch wenigstens gewisse Regeln festge­setzt würden, wornach fid) ein jeder zu verhalten hatte. Dadurch könnte der Tadelsucht gewaltig gesteuert und der allzu grosen Verschiedenheit un- sers äußerlichen Betragens leicht abgeholfen werden, als weiches nöthigist, wenn so viele Köpfe unter einen Hut sollen gebracht und eine allgemeine Einigkeit soll hergestellt werden. Nehmen Sie nur, zum Exempel, ein­mal den Gang, den sich so viele Menschen angewöhnt haben; wie sehr ver­schieden ist er nicht und wie viele lieblose Urtheile zieht fid) nicht manch­mal, ein sonst ehrlicher Mann dadurch zu? Es ist in der Thatwahr, mau kann fast keinem Menschen mehr recht gehen, und dem einen gefällt dieser, dem andern jener Gang. Einige laufen über die Strafe, als wenn sie je­mand jagte, andre hingegen gehen ganz bedächtlich, als wenn Eher vor ihnen lägen, die sie nicht zertretten wollten. Viele brüsten sich und blasen sich auf, daß es ihnen nicht selten vorkommen muß, als wenn die Strafen einer Erweiterung nöthig hatten, damit sie durch könnten. Nod) andre gehen immer in Gedanken, hören und sehen nicht, was um sie herum vor- aeht, sind beständig in Gefahr zu stolpern, und fallen aud) manchmal wirk­lich auf die Nase. Eine grose Menge fdW immer unter sich, als wenn sie kein gut Gewissen hätten und sid) schämen müßten. Einer steckt die Hände in die Rock ° Sack, der andre in die Camifohl-Säck, der dritte in die Hosen-Säck, der vierte legt sie auf den Rücken, der fünfte steckt sie rwischen die Camisohl Knöpfe, und der sechste weiß vielleicht nicht einmak, wo er sie hinftecken soll, wie es manchmal in Gesellschaften Leute giebt, die nicht wissen, wo sie ihre Füße Hinthun, ob sie sie auf den Tisch oder 'auf den Schoß ihres Nachbars legen sollen. Und so könnte ich noch ze­hen bis zwanzig verschiedene Manieren im Gang anführen, wenn ich weit- läüftig seyn wollte. Ich bin bisher mit mir selbst uneinig gewesen, welchen Gang ich wahkeu sollte. Ich war immer gewohnt, ein wenig quärrig, wie man sagt, zu gehen, so daß füglid) ein trächtiges Schwein zwischen < DdZ > meinen