Ausgabe 
1.4.1766
 
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rrrid Nachrichten. --

-Ordnung beobachtete, sondern die Sachen so vortrüge, wie es diese einzig- Absicht, bey welcher jedoch die Erbauung als eine Nebenabsicht gelegenheit- lich mit erreicht werden könnte, erfoderte? Und solte man nicht in diesen beyden Arten von Predigten entweder Jahrweise, oder auf eine andre Art abwechseln, und also den Zuhörer bald durch eine förmliche Rede von ge­wissen Wahrheiten ausführlich belehren, bald durch eine blose Erklärung in den Stand setzen, die heil. Schrift für sich selbst, so viel es einem jede» nöthig ist, verstehen und gebrauchen zu können?

So lange wir an die Evangelien und Episteln gebunden sind, können: wir nur wenige Stellen, davon verschiedne so gar keiner Erklärung nöthig haben, vornehmen. Und nach meiner Meinung müste solches bey der ganzen Schrift, wo nicht auf einmal und in einem Jahr, doch wenigstens in zweyen geschehen, und die äuserliche Gestalt einer förmlichen Rede, tw: durch man theils aufgehalten, theils gezwungen wird, vieles nicht dahin gehörige einzumischen, bey dem Vortrag vermieden werden. Ich wiS das was ich gesagt habe, mit einem Exempel erleutern. Nachdem ich in 2 auf einander fölgenden Jahren über die Evangelien und Episteln gepredigethatte, so nahm ich im zten die Glaubenslehren, und im 4ten die Lebenspfiichten, und trug dieselbe in einer so viel möglich ungekünstelten Ordnung vor, und suchte bey einer jeden Materie das Vornehmste, das darzu gehört, vorzu­bringen, ohne mich im geringsten an den abgelesenen Text zu binden. Denn diesen behielt ich blos zum Scheine bey, weil ich nicht wohl ohne Anstos von dieser Gewohnheit abgehen konnte, und erklärte ihn so kurtz als es möglich war in dem Eingang. In dem sten Jahr fiel ich auf die Ge- dancken, meinen Zuhörern die gantze heilige Schrift in einer gewissen Kürtze zu erklären, und verfuhr in dieser Absicht auf folgende Gestalt. Ich zeigte zuerst die Nothwendigkeit, in der heil. Schrift selbst zu forschen, und so viel möglich mit eignen Augen zu sehen. Darauf nahm ich die HauptEigen- schaften der Schrift, als z.^E. ihre Göttlichkeit, ihre Deutlichkeit, ihrrich- terliches Ansehen u. s. w. und handelte eine jede Materie in einer besondem Predigt ab.. Hiernächst schritte ich zu der Schrift selbst und fieng mit dem alten Testament an, welches jedoch fast besser mit dem neuen Testament geschieht, wozu die Gründe anzuführen zu weitlauftig ist. Ich nahm die S Bücher Mosis überhaupt in einer Predigt vor, und erzehlte dabey die vornehmste Lebensumstände dieses Mannes, seine göttliche Sendung und andre hieher gehörige Dinge. Darauf betrachtete ich das erste Buch Mo- fis in einer besondem Predigt, so daß ich der vornehmsten Geschichte, der

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