Ausgabe 
22.1.1765
 
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r6 Uüfifcbe wöchentlich-gemeinnützige Anzeigen

// Carazan/ dem Gottesdienst ist nicht gnädig angenommen worden, weil er die Liebe zu GOtk nicht zu seiner Quelle hatte. Deine Gerechtia- n keit kan nicht belohnt werden /weil sie nicht aus der Liebe gegenden Men scheu entsprang. Um deinetwillen, um deinetwillen allein hast du jedem das Seinige gegeben; um deinetwillen allein hast du den Tempel des Allmach- ii tigen besucht. Du hast weder mit dankbarer Seele über dich hinauf, ii noch mit Gütigkeit und Menschenliebe um dich herum geschämt Es ist wahr, du hast um dich her nichts als Laster und Thorheiten erblickt; ii aber, wann Laster und Thorheiten deine Kargheit rechtfertigen könnten: n würden sie nicht aud) die Güte des Himmels verdammen ? Soll die ii Sonne nicht den Thoren und den Lasterhaften bescheinen, auf wen soll n sie dann ihre Stralen streuen? Auf wen sollen dann die Wolken ihren ii Thau herabträufeln lassen? Vor wen soll dann der Frühling seine Ge- ii rüche verhauchen, und der Herbst seinen Uiberfluß verschwenden ? Erin- ii nere dich, Carazan l du hast vor dem Mitleid dein Herz verschlossen ; du n hast deine Schätze mit ehernen Händen festgehglten ; du haft für dich ii selbst nur gelebt; deswegen sollst du von nun an auf ewig allein bleiben. n Von dem Licht des Himmels, und von der Gesellschaft aller Wesen n sollst du hinweg getrieben werden; die Einsamkeit soll dir die zaudernden ii Stunden der Ewigkeit noch länger machen, und die Finsterniß soll die ii Schrecken deiner Verzweiflung vergröserst.

Eine geheime und unwiderstehliche Macht trieb mich hinauf in einem Augenblick durch das leuchtende System der Schöpfung vor unzählbaren Welten vorüber. .Als ich den Gränzen der Natur näher kam: so entdeckte ich die schattenvolle Tiefen eines unermeßlichen leeren Raums , die fürch­terliche Gegend einer ewigen, stillen, öden Finsterniß I Bey diesem An­blick rief ich, von einem unaussprechlichen Schauer ergriffen, mit der hef­tigsten Sehnsucht aus:

. ,, O wäre ich doch auf ewig zu der gemeinschaftlichen Wohnung reu-

m loser Sünder verdammt worden l Ihre G.sellschast hatte mir die Quaa- fi len der Verzweiflung erleichtert, und die Wut des Feuers hätte mir ii doch den Trost des Lichts nicht rauben können. Oder wann ich wäre ii verdammt worden, in einem Cometen zu wohnen, der nur einmal nach ii tausend Jahren in feiner Laufbahn zu den Gegenden des Lichts und des ii Lebens gekommen wäre: so würde mich in dem furchtbaren Zwischen- n raum der Kälte und Finsterniß, dennoch die Hofnung dieser auch noch ii solang entfernten Perioden getröstet haben.

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