Ausgabe 
14.5.1765
 
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,§8 Giesisch - wöchentlich gemeinnützige 2tnzeigen

zu zeigen. Es setzt daher der V. alles, was von dieser Lehre bereits von den Lehrern unsrer Kirche geschrieben ist, als bekannt voraus, und bemühet fiel) bloß, stach Anleitung der h. Schrift dasjenige zu zeigen, was in der Seele Christi im Stande der Erniedrigung vorgegangen ist , in wie ferne sich Christus des Gebrauchs der durch die persönliche Vereinigung ihm mit- getk-eilten göttlichen Eigenschaften entäusert hat, in wie ferne er alS ein Mensch, der von aller eigenen Sünde frei) war, gedacht, geschlos­sen , gewollt, gehofft, sich gefürchtet, und gefreuet hat u. s. w. Die erste Frage betrift also die Erkenntniß Christi im Stande der Erniedrigung, von der es Luc. z, fz. heisset, daß Christus an Weisheit, Alter, urib Gnade, bey GOtt und den Menschen, zugenommen habe. Wenn dem­nach Christus als ein Kind, vermöge der ihm mitgetheilten göttlichen Ei­genschaften, gleich alles wüste, was ihm begegnen würde: so entäuserte er sich doch dieser Allwissenheit, und blieb als Kind unter der Aufsicht Jo­sephs, welcher, und nicht Christus, von dem Engel ermahnet wurde, nach Aegypten zu fliehen, u. s. w. Aus diesem, und andern Beyspiclen erhel­let, daß Christus sich dem gemeinem Schicksale der Menschen, die Sünde ausgenommen, unterworfen, und nach und nach an der Erkenntniß zuge­nommenhabe, übrigens aber durch die mächtige Vorsicht des Vaters er­halten worden sey. Pf. zz, io. 1i. Wenn wir seine Erkenntniß auf diese Weise betrachten, und nach der Anführung der h. Schrift untersuchen- was Christus hauptsächlich im Stande seiner-Erniedrigung gemacht, und wie er von sich selber gehalten habe: so zeiget uns die Schrift sehr häufig den Gedanken, daß er ein wahrer Mensch, und mit den übrigen gleiches Wesens sey. Dieß wird bewiesen aus Ps. 8, zr. 69. und daraus die Re- densartdesN-T. erläutert, da Christus so oft des Menschen Sohn heißt. Allein, Christus gedachte hiebey zugleich, daß er Gottes ewiger Sohn, und mit dem Vater gleiches Wesens sey. Dieß wird aus Ps. r, 7. be­wiesen, wie auch aus Ps. z, 1. und den Zeugnissen JEsus im N T. Hienächst betrachtete Christus die Wichtigkeit und den ganzen Umfang deS von ihm übernommenen Werkes der Erlösung Ps. 40, 8. Ps. 89, p. er erkannte die^'hm aufgelegte entsetzliche Sündenlast Ps. 41, f. Ps.-8,4.5. Hieraus entstand in dessen Seele oft ungemeine Angst und Traurigkeit, die durch die äuftrlichen Umstände noch vermehret wurde. Was seinen Wil­len anbelanM so war er ganz damit beschäftigt, daß er durch dre auf sich ge­nommenen Strafen der Sünden der ganzen Welt das menschliche Geschlecht Mit der hochheiligen Dreyeinigkeit versöhnte. Hiebey war sein Wille dem

Willen