Ausgabe 
2.4.1765
 
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» Giesische gemeinnützige Anzeigett

menen Armuth, und in einem mit einsamen Betrachtungen zugebrachten Leben bestünde. Hieraus zog ich den Schluß, daß nicht die Liebhaber, sondern nur die Verächter des Geldes zu einer moralischen Güte eigentlich aufgelegt wären. Ich vergrub daher das meinige in die Erde. Ich ent­sagte aller Gesellschaft, und begab mich in eine verwilderte und abgeson­derte Gegend des Landes. Meine Wohnung war eine Höhle an der Sei­te eines Hügels. Ich trank das Wasser, wie es aus der Quelle strömte, und nährte mich mit den Früchten und Krautern, die ich finden konnte. Um die Strengigke^t meines Lebens zu vergrösern, wachte ich oft gan­ze Nächte durch. Ich setzte mich alsdann an den Eingang meiner Höh­le, ich wendete mein Gesicht gegen Osten hin, ich überließ mich den ge­heimen Einflüssen des Propheten, und wartete von oben herab Erleuchtun­gen. Als ich einst nach meinem nächtlichen Wachen an einem frühen Morgen den Horizont von der annähernden Sonne bestrahlt sah, überfiel mich der Schlaf mit einer unwiderstehlichen Macht, und ich sank unter ihr nieder. Es kam mir vor, als wann ich noch immer an dem Eingang meiner Zelle fasse, als ob die Morgenröthe sich vermehrte, und als ich nach dem ersten Stral des Tags begierig hinsah; so schien es mir, als ob ein finstrer Flecken ihn vor mir verdeckte. Ich ward gewahr, daß dieser Flecken sich bewegte. Er ward immer gröser, je mehr er sich näherte, und endlich sah ich, daß es ein Adler war. Ich heftete meine Augen un­beweglich auf ihn, uud als er in einer geringen Entfernung von mir nie­derstieg, so entdeckte ich einen Fuchs, dessen beide VorderFüffe zerbrochen zu seyn schienen. Vor diesem Fuchs legte der Adler ein Stück von einem .Bock nieder, das er in seinen Klauen herbeygetragen hatte, und hierauf entfernte er sich wieder. Nachdem ich erwacht war, legte ich mein Haupt * in den Staub, und dankte den Propheten vor den Unterricht dieses Mor­

gens. Ich überlegte meinen Traum aufs neue, und sprach also zu mir selber: Costou, du hast wohlgethan, daß du dich dem Getümmel, dm Geschäften und den Eitelkeiten des Lebens entrissen hast; aber du hast es nur noch zum Theil gethan; du bist nod) täglich mit der Verschaffung dei­ner Speisen beschäftigt; deine Seele ist noch nicht ganz in Ruhe, und dein Vertrauen auf die Hülfe der Vorsehung ist noch nicht ganz vollkom­men. Was hat dich diese Erscheinung gelehrt? Wird nicht auch dir die Hand des Himmels deine Speise reichen, da du gesehen hast, daß er einen Adler gesendet hat, um einem lahmen Fuchs sein Futter zu bringen? Die­ses wird um so viel eher geschehen/ weil dich nicht eine unvermeidliche

Noch-