tmb r^lachn'chtett. 171
nicht helfen können, so will ich lieber heute als morgen sterben. Denn bedenken Sie selbst, wie kan ich mit einer Frau leben/ die/ ungeachtet aller meiner Geduld und Nachsicht/ nicht allein mir/ sondern mich allen, die mich besuchen/ das kleinste Versehen zu einem unverzeihlichen Fehler cuwcch- net? Sollten Sie wohl glauben, daß sie mich schon seit einem halben Jahre haßt, weil mir aus einer Unachtsamkeit einer von meinen Hunden in ihr Putzzimmer nachlief und es ein wenig besudelte. Ich schwöre es Ihnen, bey meiner Ehre, daß ich bisher weder eine freundliche Mine, noch eine gute Suppe von ihr habe erbitten können. Und doch wollte ich gerne zufrieden seyn, wenn sie mir noch so vernünftig wäre, daß sie ihre Wunderlichkeit wenigstens in der Gegenwart fremder Leute zu verbergen suchte. Ich zittere immer, so oft nur jemand zu mir kommt. Und sagen Sie mir einmal selbst, wie Ihnen zuMuthe seyn würde, wenn ihre Frau ihren besten Freund der pöbelhaftesten Lebensart und der größten Ungezogenheit in ihrer Gegenwart beschuldigte und ihn b!os um deswillen für den nichtswürdigsten Menschen hielte, weil er aus Unvorsichtigkeit einen Tropfen Caffee auf die Serviette hätte fallen lassen oder nur ein einzigesmal das Speykäftchen verfehlt hätte. Gan; gewiß werde ich in kurzem der Spott der ganzen Welt werden. Noch dre vorige Woche hatten wir Frauenzimmer-Besuch.' Wir führten dasselbe in den Garten und eines davon stieß unversehens mit ihrem Schlender eine Blume ab. Da hätten Sie den entsetzlichen Lermen hören sollen. Wenn Sie weiter nichts, als meine Blumen-Flor verderben wollen, schrie sie mit ein.m verzweiflungsvollen Ungeftümm, so können Sie auf ein andermal zu ^ause bleiben. Doch dieses ist bcynahe noch Gelindigkeit gegen das Verfahren mit dem Gesinde. Nur ein kleines Fleckgen oder eine Feder, die sie auf dem Bodemin einer (Stube findet, oder eine unmerkliche Spinne- - webe in einer dunklen Ecke sind ihr schon Ursachen genug, demselben alle Vernunft abzuiprechen, es für todeswürdig zu erklären, ja wohl gar zu verfiuchen. Nicht einmal zu gedenken, daß sie jeden Monath neues Gesinde micthen muß. Und wie viele Verdrießlichkeiten, m welche sie mich durch ihre unvernünftige Aufführung verwickelt hat, fönte ich Ihnen anitzt noch anführen, wenn nicht schon dieses wenige vollkommen hinreichend wäre, Sie zur Beschleunigung Ihrer Hülse zu bewegen. Lassen Sie meine Hofnungcn nicht vergeblich seyn. Sie werden Ihre Dienste keinem Undankbaren erweisen. Ich bin
gehorsamster
Mm 3 Xavmus Friedlich.


