Ausgabe 
25.12.1764
 
Einzelbild herunterladen

4x» Gresische wöchentlich - gemeinnützige Anzeigen

zu bewundern, daß er in einer sehr kurzen Zeit die arabische Nation iu sei. nem Glauben zwang ? Aber, daß den Aposteln dieses Mittel, ihre Reli­gion fortzupflanzen, gänzlich fehlte, das ist eine Sache, die ich nicht bewei­sen darf, weil sie von keinem Menschen in Zweifel gezogen werden kann

Oft liegt in einer neuen Religion seiber die Ursache, warum sie vo» ganzen Völkern mit einer angebohrnen verwechselt wird. Die Welt ist so fthr verdorben. <gi; geht so ungern auf den Wegen der Tugend zu ihrer Gluckseeligkeit. Sie ist so geneigt, der Lockstimme der Sinnlichkeit Gehör zu geben , so hitzig, ihre Leidenschaften zu befriedigen, so bereitwillig, die Triebe körperlicher Lüste zu sättigen. Mann darf ihr daher nur eine Reli­gion verkündigen, die die Weege zur Seeligkeit mit den Blumen der Wol­lust bestreuet, die der menlchlichen Vernunft keinen Kampf wider die Sinn­lichkeit auferlegt, die den aufwallenden Leidenschaften schmeichelt; eine Re- ligioir mit einem Wort, die nicht halb so schwer ist, als die angebohrne: so wird man den grösten Thcil der Menschen bald den Glauben ihrer Vät- ter verlassen, und dre neue, die leichte, die angenehme Religion verehren s^en. War es al)o ein Wunder, daß Mahomed in wenig <Wen eine machligeNation zur Annehmung seiner Religion verführte: seiner Religion, pje dem Verstand so wenig untersuchen giebt, die sich nicht getraut den lärmenden Limen Ruhe zu gebieten, die den tobenden Leidenschaften, an statt he zu fesseln, die ungezähmteste Freiheit verstattct, die den wollüstigen, grausamen und rachgierigen Arabern die Wollust, die Grausamkeit, die Rachbegierde erlaubt?

t Untersuche ich hingegen die innere Beschaffenheit her christlichen Reli­gion : so ist mir ihre schnelle und bewundernswürdige Fortpflanzung, wann ich blos auf natürliche Ursachen sehe, völlig unbegreiflich. Wie konte die Predigt der Apostel der verdorbenen Welt angenehm seyn? Sie besah, kn, an einen gekreuzigten Erretter zu glauben. Ein Befehl, der der jü­dischen Nation ein Aergerniß, und der griechischen eine Thorheit wäre Die Sittenlehre, die lie predigten, stürzte die Götzen, welchen das mensch.' liche Herz so gern Altäre erbaut, die Wollust, den Stolz, den Zorn, den Haß, die Rachbegierde, die Habsucht, die Unbarmherzigkeit.

Sie befahl Enthaltsamkeit, Mässigung, Belcheidenheit, Demuth, allgemeine Men­schenliebe, Sanftmuth, Zufriedenheit, Mitleiden, Freigebigkeit. Sie verlangte unter ihren Verehrern nur standhafteAnbäter der Gottheit, recht- schaffene Patrioten, wahre MeüschenFreunde, vernünftige Vatter, folg­same Kinder, gütige Gebieter und gehorsame Knechte zu sehen. Sie be- ftht,