3f4 Gresische rvöchemlich - gemeittttZtzlZe Anzeigen

schen Fleißes nichts als Einwürfe, nichts als die bitterste Beschuldigungen der Wölfischen Lehren. Man sollte denken, daß er dadurch zu einem un­versöhnlichen Haß gegen diesen verfolgten Weisen hätte angefeuert werden müssen. Dann wie widerstrebend isNücht Vas menschliche Herz, wenn es einen Mann Gerechtigkeit wieverfahren lassen soll, welchen andre, die bey der Welt in einem auserordentlichen Ansehen stehen, zum Ziel ihres Hasses machen? Wie Lenksam ist nicht die noch ungebildete Seele eines Jüng­lings? Wie geneigt ist er nicht, eine Lehre für falsch zu halten, sobald er einem Einwurf wider sie gehörthat, den er nicht zu vernichten weiß? Baum­garten war frei; von diesem gemeinen Fehler der Jugend. Ist es billig, einen Verbrecher auch alSdann nicht unverhört zu verdammen, wann man ein Au­genzeuge seiner Thaten war : wie viel billiger ist es, nicht eher ein entscheidendes Urtheil über das System eines Gelehrten zu fällen, ehe man es mit der strengsten Genauigkeit untersucht, ehe man es mehr als einmal mit aller möglichen Aufmerksamkeit durchgedacht, ehe man das Verhältnis aller sei­ner Therle untereinander mit der grösten Sorgfalt geprüft hat? Die Be­obachtung dieses Grundsatzes, das Urtheil seines Bruders von der Wölfi­schen Philosophie, das nach und nach immer gelinder wurde, je länger er sie ohne Vorurtheile prüfte, sein eigner ost wiederhohlter Besuch der Je- naischen Universität, wo damals Reusch, Carpov, Köhler und Hamber- ger das Lehrgebäude des FreyHerrn von Wolf in seiner unschuldigen Ge­stalt darstellten: alles dieses bewahrte den jungen Baumgarten vor der Ue- bereilung, diese berühmten Grundsätze um deswillen zu verdainmen, weil sie von einigen erzürnten Schristgelehrten für Lehren des Teufels ausge­schrien wurden. Nichts war natürlicher, als daß nun Baumgarten an­fing, dieses berüchtigte LehrGebaude selbst gehörig zu prüfen. Er that dieses mit einer unglaublichen Behutsamkeit. -Oft stieg er in den Bewei­sen der Wölfischen LchrSatze bis auf die ersten leeren Sätze hinauf. Er wendete diesen erstaunenswürdigen Fleis auf alle die Wissenschaften,' w-'lche dieser Philosoph ausgearbeitet hatte. Er fand mit Bewunderung in allen Lehren dieses Mannes Richtigkeit, Ordnung, Zusammenhang und die schönste Ueberemstnnmung mit den Wahrheiten der offenbarten Reliaion Durch dieses Verfahren erlangte er in allem, was er behauptete, eine un­beschreibliche Gewißheit, und jene auserordentliche Stärke im Dcmonstri- ren, um welcher willen er von den Kennern Der philosophischen Lehrart fa sehr bewundert wurde, daß sie ihm in dieser Kunst für allen andern, und selbst für reinem Lehrer, mit Recht den Vorzug emräumtcn. K kannte

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