und Nachrichten. ,87

Anleitung unsre Triebe vor dem Richterstuhle der Vernunft bemtheilen, und der Lehre des Pythagoras zu folge uns am meisten vor uns selbst scheuen. Bacon hat gesagt, die Ehrerbietung gegen sich selbst scy em Zaum für alle Laster. - - Ich begreift wie eine Art von Stolz bei) einem Menschen entstehen kan, der durch seine Einsichten andere übermag; aber ich begreift auch, wie gefährlich dieser Stolz ist, wenn ihm die stärkste Vernunft, und die strengste Tugend nicht zur Seite geht. Die Wissen­schaften öfnen den Geist, sie dähnen seine Kräfte aus, und machen sie m einem weiten Umfang thätig; die allgemeinen Jrrthümer der Nationen, die Vorurtheile, die allen Geschlechtern eigen sind, liegen vor einem aufgeklär­ten Geiste offen; er allein weiß, was gut, was schön, was wahr ist. Er sieht gleich einem Wesen, das vom Himmel uns betrachtete, auf die Men­schen, die noch in der Dunkelheit wandeln, herab. Kein Vergnügen, sagt in' seiner erhabenen Sprache Baeoit/ einer der grösten Geister unter den Menschen, reicht an das Vergnügen, welches derjenige fühlet, der durch die Kentniß der Wahrheit erhoben, wie von einer Hellen Höhe auf die Irr-» thümer und die Ausschweifungen der Sterblichen, auf die trüben Gewit» ter in den Thalern der Welt hinabsieht: dieses Hinabschauen fordert ein mitleidiges Herz, nicht einen aufgeblasenen Geist; und so geniessen wir den Himmel auf der Erde, wenn die Seele tM Menschenliebe erfüllet, ruhig auf den Wegen der Vorsehung, die weite Ausdähnung der Wahrheit um­fängt. - - Die Kentniß unsrer Fähigkeiten ist Die Quelle einer Zuver­sicht, ohne welche Der Mensch nichts groses unternimmt. Der Geist ver­sinket muthlos in eine träge Demuth, in eine anhaltende Unthätigkeit, wenn diese Zuversicht ihm mangelt; er hat den Hang nicht sich empor zu schwin­gen, und der Absicht des Schöpfers zu folgen; er sorget, den Thieren des Felds gleich, für Den heutigen Tag: Der Gedanke der Zukunft ist ihm be» schwehrlich, weil ihm Der Gedanke des heutigen Tages beschwerlich ist. Er gelanget zu nichts, weil er nichts wagt; er wagt nichts, weil er an seinen Fähigkeiten zweifelt. Der Schaden Den unsre Leidenschaften so ost uns zusü- gen, kommt von Den allzukleinen Begriffen von sich selbst her; Der Mensch siehet, daß er Leidenschaften hat, er wird ihr Sckave, weil er die Kräfte nicht kennt, die diesen Leidenschaften widerstehen. Mehr Zuversicht in seine Kräfte lehrt ihn , daß man seine Leidenschaften mildern kan, und daß die wiederhohlte Milderung eine Uiberwindung ist. Mit diesen Begriffen hät­ten Die Asceten nicht nöthig gehabt sich zu entmannen. Der Mensch, der von seinem Glücke groß denckt/ rettet sich durch diesen Gedancken in den

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