und Nachrichten. »49
Herzigkeit der Climens als das deutlichste Merkmal einer wahren Liede gegen Alcandorn an. So bald sie nach Hause kam, gab sie ihm Nachricht davon. Wer schäzte sich glücklicher als Alcandor? Er sähe schott zum voraus, daß ihn Climens nicht unerhört lassen würde; denn er wußte , sich vortreflich in ihren tugendhaften Charakter zu schicken. Er ließ bey \u der Gelegenheit die erhabensten Gesinnungen von der Religion und derway- ren Ehre blicken, um sie immer in ihren vdrtheilhaften Meinungen von ihm zu bestücken. Und als er endlich glaubte, daß er sich in seinen Hofnun- gen nicht betrügen würde, warf er sich wie der demüthigsie und entzükteste Liebhaber zu ihren Füssen hin und bat um ihre Gunst. Ein junges Frauenzimmer schazt das Glücke, von einem der artigsten Jünglingen geliebt zu werden, höher als alle Freuden der Welt. Wie konnte also Climens mit verachtenden Blicken einen Liebhaber von sich stossen, der von jedermatt bewundert wurde, den sie schon so lange unbekannter Weise gel ebt hatte, und der sie aus den tugendhaftesten und reinsten Absichten zu lieben vorgab? Nein, Climens hielte sich vielmehr für die beneidenswürdigste Geliebte. Sie schworen sich beyde eine ewige und unverbrüchliche Treue und erneuerten täglich die Versicherungen, daß ihre zärtliche Liebe am Ende noch eben so tugendhaft und unsträflich seyn sollte, als am Anfang. Mit dem größten Entzücken schauren sie dann in die Zukunft hin, wo ihrem frohen Blicke nichts als Gefilde des Glückes und des Vergnügens begegneten
Unter diesen unverbrüchlichen Versicherungen von ihrer Treue und bey dieser heiteren Aussicht in die Zukunft flösse ihr sanftes Leben, wie ein Heller Bach vorüber. Das einzige, was sie sich noch wünschten, wäre, daß sie das Glück ihrer Liebe bald öffentl ch bekannt machen, und da§ nachähmungswürdigste Beyspiel einer tugendhaften und zärtlichen Liebe seyn könnten. Allein Climens hatte Ursache, zu befürchten, daß ihr Vatter eine nähere Verbindung mit Alcandorn noch nicht erlauben würde. Sie verschwiegen es also ihrem Vatter und beschlossen alle beyde, sich noch so lange im verborgenen zu lieben, bis sie vermuthen konnten, daß ihr Vatter ihren Wünschen nicht mehr entgegen seyn würde. Unterdessen suchten sie jede Gelegenheit sorgfältig auf, wo sie sich dem Gefühle ihre- Glückes ganz überlassen konnten.
Einige Zeit hernach mußte Pison, Climen ens Vatter, seinen Fürsten auf einer kleinen Lustreise begleiten. Die Abwesenheit Pisons wußte Blandine zum Vortheile des Alcandors sehr listig anzuwenden. Sie stellte einen Ball auf ihrem nahe bey der Stadt gelegenen Landguts
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