)8 Wochenblatt.
bemächtigte sich sogleich seiner ganzen Seele. Er war einer von denen jungen Herren, die immer mehr Herz auf der Zunge, als in der That selbst haben. Man erinnert ihn an sein Versprechen , auf das Gespenst los zu gehen. Das war eine bedenkliche Zumuthung. Furcht und Ehrgeitz stritten jeztin seinem Herzen; doch nach einigen Minuten bekam der letztere die »Oberhand, zumal, da seine Vernunft ihm noch immer zurief, daß es keine Gespenster gebe, was auch seine Augen immer sehen möchten. Er nimmt also sein ganzes Bischen Herzhaftigkeit aus allen Winkeln seines Herzens zusammen, ziehet den Degen, und entschließt sich auf das Gespenst loszugehen. Er gehet wirklich; aber bey jedem Schritte verdoppelt sich seine Furcht. DaS fürchterliche wer da ? welches er dem Gespenste zurufen wollte, erstirbt auf seiner Zunge; schon benebelt der Schrecken seine Au- gen; aber der Ehrgeitz macht, daß er dessen ungeachtet, obgleich seiner selbst kaum mehr bewußt, auf den Geist losgehet. Kaum hat er sich demselben bis auf einen Schritt genähert, so bekömmt er von dem Gespenste einen Schlag vor der Stirn. Unser Heid, der vor Furcht schon halb todt war, stürzt sinnlos zu Boden; die Leute im Hause, die ihm voller Wartender Dinge nachgesehen hatten, erheben ein Gcschrey, schlagen die Fenster zu, verkriechen sich in die Betten, und bedauern den armen Officier; ja einige wollen sogar gesehen haben , wie er von dem Gespenste in der Luft wäre davon geführet worden.
Das war nun wieder eine in aller Form richtige und gültige Gespensterhistorie. und die Bewohner des Hauses würden die Wahrheit derselben mit ihrem Blute versiegelt haben, wenn sich die Sache nicht nach einer halben Stunde von selbst entwickelt hatte. Nachdem unser Held einige Zeit in der Ohnmacht gelegen hatte, kömmt er wieder zu sich selbst. Er besinnet sich, greift um sich herum, und stehet sein Gespenst neben sich liegen. Da er eben keinen Schaden an seinem Leibe entdecket, so bekömmter Muth, die Sache genauer zn untersuchen, und nunmehr entwickelt sich das ganze Geheimniß. Das fürchterliche Gespenst war nichts weiter als ein Hemd, welches einem andern, vermuthlich armen Anwohner des Kirchhofes gehöret , der eS zur Nachtzeit zu waschen und an der Kirche zu trocknen psiegte. Der Eigenthümer hatte es auf einen Rechen gehänget und an die Kirch, mauer gelehnet. Unser Held hatte, als er vom Ehrgeitze gespornet, halb sinnlos sich dem Geiste genähert hatte, auf die Zähne des Rechens getre- ren, und hatte sich selbst dadurch den fürchterlichen Schlag gegeben, der ihn


