Ausgabe 
30.5.1775
 
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*74 Wochenblatt.

Ahr immer bin das andre her, fo ist es scheu und tückisch dahinqearn pme, spitze, nach vorne zu gerichtete Ohren, ein kluges Pferd von ßutem Humeur andeuten. -

Wirst dir doch nie weiß machen lasten, daß ein Pferd mit einem am Nacken dicken Scdweinedalse em gut gelehrig Schulplerd werden könne, und daß eS von starker Natur sey, wenn die Scdwettrübe sich so leicht auf und nieder ziehen laßt, als ein Hundeschwanz» denkst doch gewiß, daß em Pferd, welches grosse muntere Augen, feine und glänzende Haare Kat, wenn sonst nichts dadey zu erinnern ist, von guter Complexion' und Ver­stand ,ey. Wenn dir gar einer sagte: du könntest dem Pferd nicht an Den Zahnen anfehn, obS vier oder steten Jahr alt sey; könntest, wenn das Pferd mit Den Beinen kreuzweis steht, sich tief in Die Ohren fass.n läßt, die Au­gen verdreht, frißt als wenn eS in Gedanken wäre, im Stall sich schief stellt, nicht schließen, eS habe Den stillen Koller oder werde ihn bald krie­gen ; wenn dir Das einer sagte , würbest ihn für einen Narren halten. Du besinnest dich noch, waS mein Vater seliger uns immer sagte: Jungen-, gebt Acht, ob ein Pferd will und ob es kann. Ein Pferd von lustigem Humeur will ; ein Pferd an dessen Gebäude, Knochen und Gelenken nicht- auszusetzen ist, kann. Deswegen seht nicht auf ein Zeichen allein, sondern auf so viele ihr nur immer könnt, so werdet ihr am wenigsten behestet. - Durchs Retten lernt ihr wohl ein Pferd naher kennen, wie Die Menschen durch Den Umgang, oder, ob ihr aufö Roß handeln wollt, müßt ihr doch vom Ansehn haben. w

> Das ist nun aber von Ochsen und Schaafen, vielleicht von allen Thie- ren, eben so wahr als von Mrden. Ein weißer Ochse taugt lange nicht so gut zum Zug - und Arbeitsochsen als ein schwarzer oder rotbrau­ner. .Er ist schwächlicher und kränklicher als diese. Ein Schaaf, das kur­ze Beine, starken HalS, breiten Rücken und muntere Augen bat, ist ein gutes Zuchtschaaf und bleibt gut bey Der Heerde. Nun aber denke ich, Schwager, wenn man bey Den Thieren aus Dem Äußerlichen das Inner­liche abnehmen kann, so soll eS bcy den Menschen auch wohl möglich seyn können. Du hast ganz Recht, daß wir daS hier noch nicht wissen ; aber wenns nun der Buchhändler weiß, oder vielleicht von Den Orten her hat, wo mit Den Menschen gehandelt wird, so istS doch so dumm nicht, daß ers von sich giebr.

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