Wochenblatt *73
brr ward auch der Lerm entstanden» Welche behaupteten, das gkenge wohl an; andere sagten, es wären eitel Fratzen: andere sagten, man könne wohl etwas aus dem Äußerlichen schließen, aber nicht viel; noch andere, man könne wohl aus den Mienen und den -beweglichen TheNen schließen, aber nicht auS den festen Theilen; noch andere, man könne aus allen äußern Theilen auf das Innere schließen, das ließe sich aber nicht so m ein A, B, Ab, bringen, noch andere sagten noch waS anders, das ich gar nicht verstand. Mir gieng alles übrige zu einem Ohre hinein, zum andern wieder heraus, und ich dachte, so lang ich in Leipzig war, mcht wieder an das Dwg, weil ich wohl anders bey meinem Handel zu denken hatte-
AlS wir wieder herunter ritten, und Zeit und Weil genug hatten, kam mir das Gespräch wieder in den Sinn, und ich erzählt es alles meinem Schwager aus Beedenbostel, der mit mir ritt ; las ihm auch den «ettel vor. Wir überlegten es in die Kreuz und in die Queer, kam aber doch nichts rechts heraus. Schwager sagte: da bey uns die Menschen zur Handlung noch nicht genutzt würden, wie Pferde, Kühe und Schafe, dätte man sich auch wohl noch nicht bekümmert, ob das Aeußerliche an ^hnen etwas bedeute, und was es bedeute. In den brey Raubnestern aber, und in Guinea, wo die armen Sklaven, wie die Leipziger Studenten sagen, gleich den Thieren, auf dem.Markte verkauft werden , würde man es gewiß wissen. Aber, sagt ich, da bringst du mich worauf, Schwager. Wir sind doch nun , ohne Ruhm, ein paar Viehhändler, wohlbekannt, allenthalben wohl in Credit und gelitten mit Pferden und Ochsen, bey Hohen und Niedern, kernen wo was zu lernen ist, handeln wo was zu handeln ist, und sind die ersten auf dem Platz , und die letzten davon, immer mit Ehren; haben wir aber auf den Viehmärkten unser Lebtage anders gekauft, als nach dem äußern Ansedn ? kaust ein einziger tüchtiger Viehhändler anders und kann er anders kaufen ? Der ist doch der beste und profitirt am meisten, der am pfiffigsten ist , aus dem Aeußern eines Pferdes zu erkennen, ob es faul oder frisch, gelehrig oder dumm , dreist oder scheu, von schwacher oder starker Natur, treu oder tückisch, krank oder gesund ist. Wird doch kein vernünftiger Mensch, der sich auss liebe Vieh versteht, daran zweifeln, daß man es einem Pferd ansehen kann,obS ein Engländer oder ein Polack, ein Däne oder ein Ungar ist. Wenn ein Pferd breite, lange, weit von einander abstehende herunter hängende Ohren hat, so wissen wir alle gewiß, daß es faul und träge ist. Geht ein
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