Giesser
Woch tllb MM
Fünf llnd Dreissigstes Stück.
Drenstags den August i77f»
Mit Hochfürsti. Hessen Darmstädtischer gnädigster Erlaubniß.
Lieber die Güte des Herzens.
O du bist durch und durch zärtlich, sanft und liebreich, wie die sympa- lhifirende Natur. r
Otway.
b?'" Mensch ist vollkommen tugendhaft, oder vollkommen lasterhaft. 31 Derjenige, der in fiinen Handlungen größtentheils der Tugend folgd, ob er gleich bisweilen von dem rechten Wege abweichet, wird ein tugendbaftcr Mann genannt und so umgekehrt. Eden so ist es in Ansehung der Güte und Bosheit des Herzens. Der, bey dem die erste größten- theils die Triebfeder oder der Bewegungsgrund seiner Handlungen ist, heißt ein gütiger Mann. Daß es aber in der menschlichen Seele einen solchen Grundlrieb giebt, zeigt sich auf mancherley Art. Zum Bcyspiel, wann wir durch das Mitleid über das Elend und den Kummer unserer Neben, Menschen zur Freygebigkeit erweckt werden, ohne Rücksicht auf einen möglichen Vortheil für uns selbst: dergleichen ist die Neigung die wir fühlen, selbst leidenden Thieren beyzustehen, ob sie uns gleich nicht die Woblthat vergelten oder eine Empfindung der Dankbarkeit aussern können : ferner die Zärtlichkeit für Kinder, nicht allein in Aeltern, sondern auch in Fremden: und ob man gleich die erstere durch den Ausdruck Instinkt oder Naturtrieb
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