Ausgabe 
17.1.1775
 
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Wochenblatt. 19

Was ist aber wohl im Stand bey denenjem'gen , die aus diese Art ihres Hauptzweckes verfehlt haben, das Andenken an den schleckten Erfolg ihrer Aussichten zu verbannen? was für Ergötzungen können sie über een Verlust eines so großen TbeilS von ihrem Leven beruhigen ? Sie körnen sich wieder eben denselben Täuschungen überlassen, neue Entwürfe von ter Erfüllung ihrer Wunsche machen, und eine andere Periode ihrer Glückse­ligkeit festsetzen; sie können sich wieder auf Versicherungen verlassen , von Denen sie wohl wissen, daß sie nicht erlüllt werden ; sie können in einem Cirkel mit verschloßenen Augen herumgehen und sich einbilden, daß sie im­mer weiter gingen.

Von jeder großen und verwickelten Begebenheit hangt ein Theil von Muth und Skaudhastigkeit, und der andere von Ursachen ab , die äusser unserer Gewalt sind. Man wird allezeit nach Den verschiedenen Neigun­gen und Temperamenten, Ursache filwen, in dasjenige, was man Wir­kung des Zufalls zu nennen pflegt, Vertrauen oder Mistrauen zu setzen. Ja derjenige, Der lange gewohnt war, sich mit einem zufälligen Glück, das blos möglich war, zu schmeicheln, wird sich nicht leicht von seinem Jrrthum zurückbringen lassen - die Wirkungen deö menschlichen Fleißes und Geschicklichkeit lassen sich viel eher berechnen. Das was in einem Iahe volbracht werden kann, laßt sich in solche Theile zerlegen, deren jeder sich an einem Tage thun laßt. Derjenige nun, der den Tag zugebracht hat, ohne sein bestirntes Tagwerk zu volienden, kann versichert seyn , daß ihn Vie Verfiießung der Zeit seinem Gegenstand nicht näher gebracht habe; denn wir können keine größere Wirkung von der Zeit erwarten, als der Fleiß ist, mit dem wir sie angewendet haben- Wenn jemand den Strom langsam hinunterfahrt/ in der Absicht etwas einzuholen , daö eben so ge­schwind vom Fluß fortgeführt wird, so wird er immer in gleicher Ent­fernung von der Sache bleiben, die er einzuholen trachtet, ohnerachtet er seine Hano an's Ruder legt und durch eigne Arbeit seine Geschwindigkeit vermehrt.

ES haben sich jederzeit einige glückliche und unerwartete Zufälle er­eignet, dadurch Diejenigen, welche nur das glauben , was ihren Leiden­schaften schmeichelt, angereizt worden, auch auf einen künftigen glücklichem Zustand zu hoffen. Sie unterhalten ihre Hofnungen , durch solche Be- rrachtungen, die keinen andern Nutzen haben, alö daß sie die Verzwei-

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