Ausgabe 
15.8.1775
 
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W-chenblarr 1

eS sey nun zu ihrerEhre oder zu ihrem Nachtheile, daß sie oJMcit sehr tief fühlen- waö sie ernstlich vorgeben Männer reden oft --us der Cmbu- dungskrast, Weiber allezeit auS dem Oerzen: und da Natur beide Ge­schlechter durch unsichtbare' Bande und Neigungen verbunden, so finde» beide alles schon tn ihren Herzen zur Freundschaft vorberettet.

Die Werke der Natur sind unt-t allen die vollkommensten: diejeni­gen aber, wo diese große Werknersterinn nur einen kleinen Antheil hat, sind niemals ohne mißheliiqc Theile dey der Freundschaft zwischen Mann und Weid, wo die Liebe keinen Theil hat, fühlen wir die Natur, daß daS ganze ein Werk dieser bewunderSwürdigen Küvstletinn ist: und hier finden wir Die geheimen Banden, die natürliche Sympathie und die ganze unübersteiguche Neigung, die sie unö gegen, einander eingepfian- zel hat.

Die wünschenswürdigste Glückseligkeit kann bloß der Preiß der Tu­gend seyn: aber nm müssen, wenn wir sie besitzen , wohl auf unö selbst Achtung geben, daß das, was erst Tugend war, am Ende nicht Lei­denschaft werde.

Als Dämon vom Dionysius zu Syrakus auf einen gewissen Tag zum Tode verurtbeiler war, bat er in der Zwischenzeit um die Erlaubnis), in |ein Land gehen zu dürfen, damit er die Angelegenheiten seiner trostlosen Familie in Ordnung bringen möchte. Der Tyrann, der es ihm im Her­zen abschlug, gewährte es ihm zum Scheine, weil er ihm eine Bedin­gung machte, deren Erfüllung er für unmöglich hielt; daß er nämlich ei­nen Andern als Geißel für seine Rückkehr und mit Verlust seines Ledens stellen sollte, wenn sie nicht zu bestimmter Zeit erfolgte. Pythias hörte die Bedingungen, und wartete gar nicht bis ibn Dämon erst darum an­sprach : sondern erbot sich unverzüglich selbst dazu. Sogleich erhielt Dä­mon die Freyheit. Der König und der ganze Hof erstaunten über diese Handlung; und als der Richttag sich näherte, war Dionysius neugierig genug, Den Pythras in seinem Gefängnisse zu besuchen. Nach einiger Un­terredung über die Freundschaft, behauptete der Tyrann , daß der Eigen­nutz Die einzige Triebfeder aller menschlichen Handlungen sey: und was Tu­gend, Freundschaft, Wohlwollen, Vaterlandsliebe und dergleichen anbe- träf, so hielt er sie bloß für Worte, Die von den Weiftn erfunden worden, den Schwachen in Ehrerbietung zu erhalten und zu täuschen. Gnädiger Herr," sagte PvrbiaS, mit einer festen Stimme und einer edlen Miene: Ich wünschte, es wäre möglich , daß ich tausend Tode leiden könnte,

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