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Wochenblatt. «5-

Seneka empfahl seinem Freunde, sich einen der besten und weisesten Manner zum Muster zu wählen, allezeit wie unter fernen Augen zu han­deln uno ihm von allen fernen Handlungen eine getreue Rechenschaft zu geben. u ',

Dreß ist auch em wahres Mittel, uns einen Freund zu verschaffen, der dieses Namens würdig ist.' Unser eigen Glück sollte uns doch gewiß am Herzen liegen. Nichts lann uns diesem aber näher bringen, als ein würdiger Freund. DaS Laster Verbinder sich nie mit der Tugend: und wie könnte mich ein solcher Freund in einem Sumpfe von Lastern und ThorlMen dulden. <

Merkwürdig waren die Worte deS PyrrhuS: Rette mich von dem Urtheile meiner Freunde, denn sonst habe ich niemanden zu fürchten." Und Plinius, als er einen Freund verloren , jammert, weil er fürchtet, er werde nun vom Pfade der Tugend weichen, werl er den Führer und Wegweiser aller seiner Handlungen verloren habe.

Die i wahre Freundschaft sodert nochwendig, daß wir tugendhaft sind , weil ohne die Tugend keine Freundschaft seyn kann, und wir müssen den Geboten der ersten unausbleiblich gehorchen, weil rS das einzige Mit­tel ist, die andere zu erhalten. Wir finden also in der Freundschaft die Gewißheit eines guten Raches, der Nacheifer eines würdigen Bevspiels, die Linderung unfers Kummers durch die Theilnchmung, und Trost und Unterstützung bey allen Vorfallenheiten und Bedürfnissen, ungesucht, ja ungefodert. Dieses sitid die ächten charakteristischen Zeichen der wahren Freundschaft, und an diesen können wir sie allezeit sicher erkennen.

Wünscht man von der Welt geliebt und hochgeachtet zu werden, so erscheine man nur in Gesellschaft solcher Personen, die geliebt und hochge- schatzet werden. Daher muß man zuvor den Charakter desjenigen wohl prüfen, den man ^u seinem Freunde machen will.

Montagne, der immer feine Gedanken so naifund lebhaft ausdruckk, sagt, daß er von der Person seines Freundes eben so sehr gerührt sev, alS ein Mann von dem Frauenzimmer, Has er änderet. DaS menschliche Le­ben kann sich niemals eines solchen Standes der Unabhängigkeit rühmen, daß nicht einer deö andern Beystand sollte nöthig haben :" aber dieser sollte allezeit von Seiten der Freundschaft kommen. Eben so sollte auch in der Freundschaft eine Gleichheit der Gesinnungen / deö Alters und der Empfindungen statt finden.