Ausgabe 
14.2.1775
 
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Wochenblatt ft

meinen Begriffe, welchen ich vom Himmel und Hölle gegeben, müssen beyde nochwendig seyn. Nur darf man nicht denken, baß ich ekwan al­lein einen Himmel und eine Hölle im philosophischen Verstände glaube. Ich halte das alles für gewiS, was die heilige Schrift uns von der eigentlichen Beschaffenheit dieses gedoppelten Zustandes meldet. Ich will nur aber* deswegen nichts davon hieher fetzen, um nichtdie Offenbarung Mit der Ver­nunft zu vermengen. Es wird mir dem ungcachteterlaubt seyn, diesonst be, kannten Vorurtheile zu bestreiten, welche viele Menschen in Ansehung die­ses Punktes hegen; weil ich überzeugt bin, daß dassenige, was ich in dem folgenden von der eigentlichen Beschaffenheit des Himmels und der Hölle sagen werde, mir den Grundsätzen solch-er GotteSgelehrten , die zugleich Philosophen sind, vollkommen übereinstimmet.

Die Vorurtheile, nach welchen sich viele den künftigen Zustand im Himmel abzubilden pflegen, sind hauptsächlich von einer zweyfachen Gat­tung. Einige stellen sich die mr Himmel herrschende Glückseligkeit zu nie­drig , andre hingegen viel zu erhaben vor, .als .sie, wenWens nicht so gleich nach dem Tode, seyn kann. Leute, welche in sinnlichen Dingen ihr Vergnügen suchen , versprechen sich im Himmel vornchmlich den Genuß der-enigen Güter, die sie auf Erden vor andern geliebet haben. Ein Lieb­haber der Musik glaubet in dem Himmel durch den Ton wohlklingender Saiten ergötzet kzu werden, Ein Freund von Essen und Trinken ver­spricht sich djters nach dem Tode seine ihm sonst gewöhnlichen Vergnü­gungen ; er vergißt sich aber, daß er den Magen, welchen er dazu nüthig hätte, auf der Erde zurück gelassen hat. Vielleicht schmeichelt sich auch mancher Spieler, im Himmel einen mit allem Zugchör zubereiteten Spiel­tisch zu finden, an welchem er seine ihm sonst angenehmste Beschäftigung fortsetzen kann. So lächerlich diese Vorstellungen sind, so sind sie doch wirklich in manchem Gehirne anzutreffen. Dergleichen Leute bedenken aber nicht, daß die Glückseligkeit eines vernünftigen Geschöpfes hauptsächlich in dem wahrhaften Vergnügen des Geistes bestehet; gleichwie die Ver- damnis der unseligen Geschöpfe vielmehr in dem nagenden Misvergnügm über den Mangel der Glückseligkeit, und die Trennung von Gott, als in einer körperlichen Qual zu setzen ist.

Andre, welche hierimren zu weit Men, Men sich den Himmel und die Hölle von dem Zustande auf dieser Erden gar zu unterschieden vor.

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