4<>o Wochenblatt.
Der Lord *** ein Liebling des Königs Georg II. war einer der com- mandirenden Generals der englischen Armee bey Dettingen. Die Diipo- sitiones des Marschalls von Noailles, dre vortheilhafte Stellung der französischen Armee, kurz alles ließ befürchten, daß die Engländer die Schlacht verlieren würden. Der Lord nahm sich die Freiheit dem König die Gefahr, worin er sich nebst seiner Armee befände, vorzustellen ; er fand aber kein Gehör, und wider alles Vermuchen behielten die Engländer die Oberhand. Georg der II-nahm die Warnung seines bisherigen Lieblings als eineVer- rätherey auf; der Lord fiel in Ungnade und begab sich nach London, mit dem Vorsatz, von dort auf seine Güter in Schottland zu gehen. Einige Tage vor feiner Abreise gab er vielen von seinen Freunden und Bekannten in Londen ein prächtiges Tractament; als die Tafel bald aufgehoben werden solte, brachte ihm ein Bedienter ein Biüet folgendes Inhalts: „Ich kann nicht unterlassen Mylord *** Ihnen meine Hochachtung zu bezeugen; niemals haben Ihre Verdienste Sie dessen würdiger gemacht, und da ich Ihnen gerne überzeugende Beweise von meiner Hochachtung geben möchte, so ersuche ich Sie hierdurch sich heute Abend um 8 Uhr in der *** Gasse einzufinden. Sie werden daselbst eine dunkele Allee gewahr werden. Gehen Sie in dieser Allee bis an das Haus zum *** fort, und klopfen Sie gerade gegen über an die Thür, die Ihnen sogleich eröfnet werden wird. Kommen Sie aber allein und ohne alle Begleitung; man erwartet Sie um die bestimmte Stunde."
Der Lord lachte bey Durchlesung dieses Billets, und sagte zu einem seiner Freunde: „ Sehen Sie,-wie mir das Glück so günstig ist. Ver- muthlich kommt diese Einladung von einer müßigen Schöne her, die gerne auftie künftige Nacht einen Gesellschafter haben möchte. Ich denke aber ich werde mich nicht einlassen; ein Mann der in Ungnade gefallen ist, muß ein Philosoph seyn."
DeS andern Tages erhielt der Lord ein neues Handbriefchen, worin er folgendes las: „Jcd habe mich mit der Hofnung geschmeichelt, My, lord, daß Sie des Ruhms, den Ihnen das Publicum beilegt, würdig seyen. Solle ich mich etwa in meiner Meynung betrogen haben? Ich will Ihnen indessen durch diese zwote Einladung Gelegenheit geben, den begangenen Fehler zu verbessern. Man erwartet Sie heute noch einmal um die- selbige Stunde als gestern, und zwar an dem nemlichen Orr. Machen
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