Wochenblatt sa-
schuldig ist, so kann er nicht mehr gegen eine Person eiftrsüchtigseyn, die er nicht für fähig hält, ihn zu hintergehen.
Eine Geliebte kann sich immer noch geg-n einen Liebhaber verändern^ xv der durch sein Betragen eben nicht zu erkennen giebt, daß er sie aufrichtig liebet; allein em Mann, der das Herz seiner Frau kennen muß, befindet sich nicht in diesem Falle. Die Freyheiken, Vie er derselben vcrstattet, können nicht für «inen Mangel der Liebe angesehen werden. Sie sind vielmehr Zeichen seines Vertrauens, welches er in ihre Redlichkeit und Sur gend setzet". Dieses Vertrauen ist ein Beweis seiner Hochachtung; und so bald er sie hochschätzet, so muß er sie notwendig auch lieben. Daher' kann man eher den Schluß machen: daß ein eifersüchtiger Mann seine Frau nicht liebet.
Man wird hierbey «foWWF, daß eS-grttSM FraMnziMMkMk, die ihre Männer durch ihre Aufführung zwingen, eifersüchtig zu seyn, und ihnen gewisse Freyheiken abzuschneiden, die sie mißbrauchen. ES ist allerdings wahr, daß alle verheirathete Frauenzimmer nicht auf gleiche Weise tugendhaft sind, und ihre Männer mit einer unverbrüchlichen Treue lieben; man muß aber doch zu gleicher Zeit auch einräumen- daß solche Männer, denen sie gerecht« Ursache zum Argwohn geben, auch aufhören, sie hochzu- schatzen, so bald sie ihre Untreue gewahr werden, und also nicht aus einem Uederreste von Liebe, sondern zur Erhaltung ihrer eigenen Ehre eifersüchtig sind. Sie wollen nicht, daß man sie für Mitschuldige von der Niederträchtigkeit ihrer Frauen halten, und da der Namen eines guten ManneS so zweydeutig und verhaßt ist, so suchen sie sich nur wieder den Vorwurf, alS ob sie ihnen zu viel Freyheit ließen, in Sicherheit zu setzen. Ja man findet Beyspiele von Männern genug, Vie sich eben deswegen von ihren treulosen Gattinnen scheiden, damit man ihnen bey einer solchen Trennung um soviel weniger den Vorwurf macken könne, als ob sie niederträchtig genug wären, die ihnen angethane Beleidigung zu billigen.
Man kann also auf keine Weise behaupten, daß die Eifersucht bey einem verheiratheten Manne ein Kennzeichen einer wahren Liebe sey; fon» - dern eS erhellet vielmehr aus dem, was Vernunft und Erfahrung davon lehren, daß die Eifersucht bey verheiratheten Mannspersonen, in andern Dingen, welche die Liebe gegen ihre Gattinnen ganz ausschließen, ihren <vru°v habe.


