Ausgabe 
7.11.1775
 
Einzelbild herunterladen

Wochenblatt. 7 x 9 ff

gemeinschaftlich gefast werden müssen, ohne Anstand und mit gleichen Kräf­ten auszuführenr alles dies in so deutlichen und bestimmten 2lu6uruc"en, baß man keine Gelegenheit zur Zweydeurigkeit gebe. Gelingt denn unser Unternehmen nicht, rveil man entweder verrathen oder verlassen worden, p bienen dergleichen schriftliche Aufsätze wenigstens dazu unser Verhalten zu rechtfertigen: sie beweisen, daß man an den Fehlern andrer reinen Antyeu genommen, und daß man bloß jenen den schlechten Fortgang zuzuschrerben habe; weil sie entweder nicht Muth genug in Gefahren bezeigt, oder well sie ihren) Eigensinn haben folgen wollen und dasjenige nicht mit aussuyren helfen, was allgemein beschlossen worden. Die Geheim Haltung »st m großen Unternehmungen von nicht geringerer Wichtigkeit, und hievon soll in folgender Maxime geredet werden.

Von der Geheimhaltung.

Die größten Staatsklugen würden vergebens arbeiten, wenn die Geheimhaltung bey ihren Anschlägen nicht beobachtet würde. In der That, bie besten Unternehmungen haben gemeiniglich keinen Fortgang, wenn ei­nige aus einem andern Interesse das Gegentheil ergreifen, und in geheim alles entdecken. So gut dann alle Maaßregeln seyn mögen , so werden sie doch alle vereitelt, indem man ihnen schon im voraus vorbeugk. Haupt­sächlich mus man am Hose gewissermaßen undurchdringlich seyn; denn Vie Köpfe sind daselbst sein, daß ein Wort, eine Mine, ein Geist, ein Blick, hinreicht sich zu verrathen. Wie viele Anschläge sind dadurch zurückgegan» gen, weil diejenigen die ihre Absichten mit der größten Sorgfalt verbergen sollten, sich von Leuten, die feiner waren, wie sie , aussorschen ließen. Es giebt sogar Personen, die aus Mangel der Urtheilskraft oder der Er­fahrung, ihre Absichten gleich dem ersten entdecken , ohne zu bedenken, welcher Gefahr sie sich durch ihre Offenherzigkeit aussetzen. In der That, man findet so wenig Treue unter den Menschen, daß man sie nicht genug untersuchen und prüfen kann, ehe man sich ihnen entdeckt. Alle stimmen indessen darin überein, daß jeder verbunden ist , sein Gcheimniß zu beo. dachten, das man ihm anvertrauet, und es als das größte Heiligthum zu bewahren. Wer es untcrläst, dies Gesetz auf das genauste zu beobachten, Der muß nothwendig seine Rechnung bey dieser Untreue finden. Wenn ich sage, daß ein Geheimniß ein unverletzliches Heiligthum ist, so will ich deswegen nicht als einen allgemeinen Satz angesehen wissen, oder als

oj Dy z fine