178 Wochenblatt.
sich dem andern wenig seyn, oder soll und muß nicht vielmehr ein Mensch dem andern alles seyn ? Von dem ersten Augenblick, wo er empfangen wird, bis auf den letzten Augenblick seines Lebens ist er sich selbst wenig oder gar nichts, sondern alles, seine ganze Bestimmung hat er von andern seiner Mitmenschen, die Gott nach seiner Weisheit zu seinen nächsten Zeitgenossen macht. Seine äussere Gestalt und die Disposition seines Verstan- ves sowobl, als seines Willens bekommt er von seinen Aeltern. Er ist ganz äusser Stand sich selbst zu erhalten, und sie bestimmen seine Erhaltung, seine Gesundheit. Sie geben ihm Begriffe, Kenntnisse und Erfahrung. Tritt er endlich selbst als ein neuer Bürger in die Gesellschaft, so werden diejenige, welche nut ihm nn nächsten Verhälmiß stehen, die Gesetzaeber seines 2LlUens, die Lehrer seines Verstandes. Nicht er, sondern sie sind es, welche rdn zum Frommen oder zum Böswicht, zum Glücklichen oder zum Unglücklichen machen.
Ja, liebenswürdige Freundinn! nehmen Sie selbst unfern unglücklichen wereher. Gesetzt, das Verhältniß seiner Umstände hätt ihm das Glück gegönnt, Sie kennen zu lernen, und sich in den Zirkel ihrer ku- gendhasten Freundinnen zu mischen, wereher würde weder Liebe noch Freude, noch wärme noch Wonne hinzu gebracht haben, aber sollten nicht die schöne Unterhaltungen ihm alle diese Vortheile gegeben habend Gleich auf einmal freylich nickt! Das Stück Eiß zergeht auch nicht auf einmal, wenn es an Die Sonne gebracht wird; nach und nach , anfangs langsamer; sängt es aber nur einmal an zu fliesen, denn fließt es immer geschwinder, bis das gross Stück endlich ganz und gar verschwindet — Gelassen würden sie anfangs seine Fantasien angehört, den Verlust seiner Lotte beklagt, sein Schicksal bedauert, und durch gelinde Mittel die Hitze seines Fiebers zu dämpfen gesucht haben, bis wereher endlich angefangen hatte, sich zu besinnen, und des Eindrucks vernünstiger Gründe und tugendhafter Beylpiele fähig zu werden.
Welche ausserordentliche Wirkung sehen wir nicht täglich an Entkräfteten, weiche durch die Besuche, die Unterhaltungen, den Zuspruch ihrer Freunde mit neuem Leben beseelet werben! Der Arzt, welcher dem Kranken Mittel seiner Genesung reicht, wirkt denn .dieser Nicht Mit seinen Kräften auf den kraftlosen Patienten 3
Die
!


