Einzelbild herunterladen

rr2 Wochmblaee»

Gegen das schöne Geschlecht-ist er höflich, aber zurückhaltend, nimmt er zuweilen das Wort im munteren Witz; im übrigen scheinet eS schwer für ihn zu seyn, ein weibliches Herz zu besitzen-

Ersuchet, wo er ist, Freude und Freiheit, und verbannt allen Zwang Und zurückgehaltenes Wesen.

Seine Tafel ist frei; von unnützen Reden, meistentheils mehr still alS laut; die gewöhnlichen Speisen sind ihm schmackhaft, die sogenannten niedlichen verhaßt: auch halt er sich nicht mehr denn drey Viertelstunden hicrb'y auf; rote er denn überall mäßig ist, indem ihn die Geschichte lehret, wie gefährlich die Ergötzitchkeiten des Fleisches so manchen Fürsten wurden.

Er hasset den Hofzwang, den Pracht, das Ceremoniel und allen Ue- berfluß mehr, als daß er sie suchte; in seinem Wohnzimmer sichet eS aus, wie beim Privatmann, oder etwa, wie in der Cammer eines jungen Feld- Herrn. Er urtheilet, wie MarcuS AureliuS: Ein Kaiser könne dergestalt leben, daß er weder Leibwache, noch güldenes Stück, weder Fackeln, noch Säulen von nöthen habe, sondern er könne gewöhnlich gekleidet ge­hen, und sich übrigens alS eine Privatperson einschränken, ohne fein Anse­hen hintan zu setzen, so oft eS das gemeine Beste erfordere, sich als einen Kaiser aufzuführen.

Ordentlich in Belohnungen, vergiebet er dem Werth derselben nichts; rmrden getreuen Affect des Herzens belohnet er-

Er schenkte nie Vertraulichkeit einem feiner Diener, wäre er auch in feiner Seele noch so stark geliebet, denn er prüfet die Folgen, und ken­net die Gefahr.

Unangesteckt vom Uebel anderer Fürsten, unempfindlich gegen eitlen Ruhm, verachtet er die kriechenden Schmeichler, wohl wissend , daß für einen Herrn seiner Größe die kräftigste Lobrede die eigene Ausübung roah. rer Tugenden fey; aber er stehet auch gern, daß man die Beeiferung seiner Seele nach gerechten Thaten kenne, daß man eö wisse, er sey unfähig,zu­gleich warm und kalt zu denken.

Originalen giebt er einen hohen Werth, Copien aber sind bei ihm ziemlich herunter gefetzt,

G;ünd-