Ausgabe 
4.7.1775
 
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rio Wochenblatts

entschlossen, herzhaft, frei im Wesen, angenehm, munter im Gemüth, -elind gegen andere, streng gegen sich selbst, gerecht, gnädig, und eben darum gefürchtet, geliebt, geehrt; niemals gehaßt, bedarfer keiner Wa­chen: er lebet friedsam wie ein Vater, umringet von Kindern, deren Liebe er sicherer findet, als feine Macht. Er verstattet allen einen freien und leich­ten Zutritt, und ist bemühet, Vertrauen zu gewinnen, und gerechten Kla­gen abzubelfen. Er besitzt die Kunst, Blöden durch seine Anreden Be­redsamkeit zu geben, weis einen jeden zu trösten, jeden vergnügt von sich zu lassen. Als deutscher Kaiser will er deutsch, und nicht ausländisch an- geredet seyn.

Er ist würdig und fähig, den Zepter über ein deutsches Volk zu füh­ren. Die Größe sein r Kaistrlichen Würde beunruhiget ihm nicht das Ge­müth. Seine erhabnen Seelenkrafte hat er durch die Kenntniß vieler nütz­lichen Dinge noch sehr erhöhet. Er redet wohl allemal kernicht, ist in un­terschiedenen Sprachen geübt, und ein Kenner der Musik, in welcher er nicht unerfahren ist.

Die Pflichten gegen seine große Mutter beobachtet er würklich treu, und suchet da sein Vergnügen, wo andere Fürsten oftmals keines zu fin­den wußten.

Gesetzt, wie er, haben allemal seine Anschläge die glücklichsten Folgen. Edle Handlungen liebet er sehr; denn sein Herz ist menschlich : mit wohl- thatiger Hand durchzog er die weitläuftigen Staaten, tröstete Unglückliche, und rächete Bosheit.

Er studieret wie Fürsten es , sollen, den ganzen Tag bis zum Abend, an die Geschäfte und Ausarbeitungen des Kopfes.gewöhnt. Zu Erler­nung der ^taatsfunst und derer hier hinein schlagenden Wissenschaften wird er ein Schüler im männlichen Alter, belehret sich, und lasset sich be­lehren, wohin es ihm nöthig dünkt, sich auszubreiten.

Seine Lebhaftigkeit durchschauet viele Gegenstände in einem Blick, und diese lässt er lieber sehen , als andere seiner großen Eigenschaften. Die Wahrheit und ein redlicher Charakter gilt bei ihm fehr viel. Tapferkeit und Großmukh, die Zierde aller Tugenden, deren man ihn würdig kennet, find seine Lichlingswünsche, welche oft erhabene Bewegungen in seiner Seele erichaffen, und ihm seine Würde auf die edelste Art empfinden lassen.

Die