Ausgabe 
3.10.1775
 
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Wochenblare.

Herr Prof. Tsohanrr Wolfgang Loirrad Littck/ trägt von io* n. die hebräische Grammatik zweimal wöchentlich vor, an den übrigen Ta« gen aber fezt er seine kursorische Lecnonen übers A. T. fort; die philo­sophische Moral und Die natürliche Theologie fängt er von z« z. von neu­em an, nnD ließt Die Lheodicee der göttlichen Offenbarung nach Dem Kompendium, Das Diese Messe herauökomt, von n 12. unp ist zu an­dern Vorlesungen, besonders über Die arabische und syrische Spra­che bereit. ' V" -v ' '

Herr Prof David Hermann Pichl / tragt von 91IO» die ma­thematischen Grundsätze Der natürlichen Welerveisheir; von 1 \# iL. Die Encyklopadie nach Gesners ifagoge in eruditionem vniuer- falem vor. In eben Der Stunde Mitwochs und Samstags demonstrirt er Die Ordnung Der himlischen Körper und den Wcltdau und giebt Anlei­tung zum Gebrauch Des Globus; von r - z. lehrt er die Mechanik nach dem Wolf. ,

Ein gelehrter Pedant unsrer Zeiten ist nicht immer und nothwen- dig dumm und ein Idiot; er ist unterweilen ein großer Gelehrter; er kann einen großen Verstand, eine tiefe Einsicht, eine weitläuftige Belesenhrit haben. Allein er hüt sich gewöhnt, bloß abstract und trocken zu denken. Er bat keinen Geschmack, als an Definitionen, Aufgaben , Corollarien und Scholien; erdenkt lauter Zirkel, Hypokhenusen, Parabeln und Asymp­toten ; eine mathematische Demonstration , eine algebraische Berechnung entzücket ihn; eine Menge Kunstwörter ist gleichsam die Atmofphär, in der fein Geist athmct, und nimt man ibn aus diesem Element, so gebäbrdet <r sich wie ein Staar auf der Luftpumpe. Seine Gelehrsamkeit ist ein Skelet ohne Fleisch , Muskeln, Haut und Farbe; sie ist wie ein Gespenst, von Dem Kenner sagen, daß eS rote ein Mensch gestaltet fey, aber eiskalte Hrnde habe. Ist es Denn Wunder, daß ihm Die Scbörrdenker verhaßt sind, und Daf? er ferne ganz hölzerne Seele in Beweaung setzet, sie lächer­lich zu machen? S'e denken ja nicht, wie er, nicht tiefgelehrt, nicht ab­stract , nicht mathematisch. Sie ersinnen keine neue Wahrheiten, sie fes­seln Den Leser durch keine Kette von Schlüffen, sie bezaubern ihn dürch kein x, y,z; sie schreiben nicht dunkel oder nach Der Tabulatur gedehnet; kurz, sie sind feine Antipoden. Ein Metaphysiker und ein Poet, ein Mathema- i:<* ' tR r $ liker