Ausgabe 
3.1.1775
 
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Wochenblatt- f

auf, und niemals hat man dis Gerechtigkeit in größter Majestät gesehen. Er kehrte das Bild der Wahrheit dem Volke zu , und verurtheilte den Fürsten. Man führte den beschimpften Leichnam zurück, und an seine Stelle nahte sich ein andrer dem Schiffe. Die Richter warteten eine ge­raume Zeit auf Kläger; es fand sich keiner. Der Todtewar ein unschul­diger Greis von niedrigem Stande. Er hatte achtzig Jahre hindurch em wohlgeordnetes Hauswesen unterhalten, und dem Staate eine Reihe nütz­licher Bürger und Bürgerinnen erzogen. Er hatte seine Güter seinen Söhnen ausgetheilt, und war einsahm und zufrieden für Alter gestorben. Ein langer Zug von Kindern und Kindeskindern , Nachbarn und guten Freunden, die meistens so alt als er selbst waren , begleiteten ihn. Das ganze Volck empfieng sie mit Lob und Thranen, und wünschten ihm Glü­cke zu den ewigen Wohnungen der unterirdischen Gerechten. DieS Schau­spiel rührte mich so sehr, als mich das vorige bestürzt gemacht hatte. Ich glaubte in dem Gebiethe der Wahrheit und Unschuld selber zu wohnen, und nicmahlS hat mir der Nachruhm ein stärkerer Antrieb zur Tugend geschie­nen. Welche Vrrandrungen der Nahmen und Charakter» erblickte marr hier nicht! Einem Oberpriester des Apis wurde die Gruft versagt, weil er unwissend, muthloS und geitzig gewesen, und einem andern, weil er nicht- als Herrschsucht, Arglist und Zorn bewiesen. Dem Leichnam eines Hel­den riß ein Ackermann den Lorbeer vom Haupte, weil er ihm aus Wild­heit seine besäeten Aecker verdorben hatte. Die Leiche eines Statthalters verfolgte ein ganzrs Volk mit Fluchen und Vorwürffen, weil er ihnen das Herz des besten Oberherrn geraubt, weil er Gewalt verübt, und nur sein Haus erhoben hatte. Seine unglücklichen Nachkommen zitterten für dieser Erbschaft, und verwünschten sein Gedächtniß. Eines reichen Kauf­manns Frau wurde zurück gewiesen, weil sie oft in einer Stunde mehr ver­spielt hatte, als sie in ihrem ganzen Leben erworben; und weil doch keine große Weisheit ohne einen Zusatz von Thorheit seyn kann, so wurde ein junges Frauenzimmer nach ihrem Tode als eine Egyptische Heilige vereh­ret, weil sie ihrem Meerkätzchen eben so viel als ihrem Bräutigam im Te­stamente vermacht hatte. Zulezr hörte ich einen heftigen Wortstreit über einen Todten. Seine Ankläger schrien hauffenweise, er habe dem Vaker- lande nie das allergeringste genützt. Seine Verlheidiger schrien dagegen, er sey ein Wunder seiner Zeit gewesen , er habe hundert neue Lestarten zu der Aufschrift einer Spitzsäule erfunden , und ein Paar Ohren an einem hieroZlyphilcherr Sphinxe ergäntzt. Ich schloß hieraus, daß cs d'e

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