Wochenblatt. 245
Es scheint steylich unwahrscheinlich, daß ein junger reicher Landmann, den spätern besitz oder gar den v23<rlu|t eines fo artigen Mädchens als Röschen war, mit der Begierde in Holland Tors zu stechen oder Heu zu machen, auf die Wage stellen konnte. So viel ist auch wahr, daß der Verfasser, wenn er eme Erdichtung und keine wahre Geschichte zu erzchlen hätte, kraft der moralischen Collegien, welche er auf Universitäten zur Erlangung der Kenntnis deS menschlichen Herzens gehört, Wilhelmen den Augenblick von seinem Vorsatz abstehen lassen , ihn baldmöglichst nut Röschen verheirathen und damit die ganze Geschichte beschließen mußte. 2lU<io da dieses, wie gesagt, keine Erdichtung, sondern eine wahre Geschichte ist, - als welches Die scharfsichtigsten Leser unter ändern auch sogleich daraus werden bemerkt zhaben, daß zu Anfang das Land und die Gegend worin die Geschichte vorgegangen, genannt worden - und die Mode, daß, der Geschichtschreiber Vie Sache nicht so wie sie würklsch geschehen ist, sondern so, wie sie nach seiner Einsicht oder Absicht hatte geschehen müssen, er# zehlt, noch gar zu neu und nur erst in Frankreich und einigen wenigen Gebenden Deutschlandes , oder nur bey einigen Sachwaltern gebräuchlich ist, auch von den Kunst- und andern Richtern nicht allerdings gebilligt werden will: so sieht sich der Verfasser genöthigt, in der Erzehlung seiner Geschichte , ohne sich durch jenen Einwurf irre machen zu lassen fortzufahren.
Röschens und Wilhelms Eltern gaben mit Freuden ihre Einwilligung zu der Verbindung der Heyden Liebenden, und Wilhelms Vatek drang sehr darauf, daß die Hochzeit im künftigen Frühjahre sollte vollzogen werden. Ja, so muß es wenigstens sehr zeitig geschehn, sagte Wilhelm, Denn ihr wißt Vater, daß nachher die Reise einfällt, Die rhr mir erlaubt habt - Was für eine Reisei fragten alle mit einmal, und Rös. chen am lautesten. Wilhelm fieng an, mitvider Beredtiamkeit die Grün- de und Bewegursachen seines Vorhabens aus einander zu setzen , allem niemand wollte feiner Meynung werden. Röschen jagte nichts dazu. Wilhelm fuhr in seiner Rede fort, bis er sah - daß Röschen weinte. Mit einmal war Der Strom seiner Beredtsamteit gehemmt. Meine guteRös# chen, sagte er stammlend, ich bleibe wo iw bin, ja wahrhaftig ich bleibe, gleich na ch Der Hochzeit könnte und wollte ich dich nicht verlassen , wenn rch auch Europa, Asia und Batavia macht Wochen zu sehen wüßte,aber Röschen, nimm mirS nicht übel, ich hatte nur gedacht vorher die Welk ein bischen zu desehn, Damit ich dir denn in Den langen Winterabenden,


