401 Wochenblatt.
„ Achmet, sagte der Fremdling - du sichest einen Menschen vor dir, den das Schicksal mit dem ausersten Elend überschüttet hat. Die Güter des Glücks waren der einzige Gegenstand meiner Wünsche — nun besitz ich sie - dennoch aber bin ich nicht glücklich, und das bringt mich in Verzweiflung. Ich bedaure den Verlust der Zeit, weil sie ungenoffen dahin gleitete; und da ich auf die Zukunft nichts bessers als eben die Eitelkeiten der vergangnen Zeit erwarte; so wünsch' ich nichts mehr, als daß mir gar keine Zukunft feyn möchte. Ja ich erzittere bey dem Gedanken, daß die Zeit einmal auf ewig von mir fliehen werde, und aller Muth sinkt mir, wenn ich jenenen Zeitpunkt voraus sehe, da die Ewigkeit meinem mit feiner guten That bezeichneten Leben - wie das Meer der Laufbahn de< Schiffes - ein Ende machen wird, und die dann keine dauerhaftere Spur von meinem Daseyn zurückläßt, als die Furche die noch übrig bleibt, wenn sie die Wellen zufammengespült haben. Sage mirS, wenn in den Schätzen deiner Weisheit noch einige Begierde zum Glücklichwerden ist. Denn in dieser Absicht kam ich zu dir - eine Absicht, bey der ich Bedenken trug sie dir zu entdecken, weil ich befürchtete, ich möchte — wie ehemals - m meiner Hofnung betrogen werden."
Almet hörte mit tauschendem Ohr, und mit Blicken, die fein Erstaunen und Mitleid zu erkennen gaben , diesen Klagen eines Wesen zu, dem mans ansah', daß seine Vernunft ein Unterpfand der Unsterblichkeit war. - Ader aus einmal nahm er seine heitere Miene wieder an , hob seine Hand zum Himmel empor, und sagte: „ Fremdling, ich will dir die Kenntnisse, die ich vom Propheten empfangen habe, wieder mittheilen. Ich saß an einem Abend in dem Vorhof der Moschee einsam und in Gedanken vertieft. Mein Auge durchlief die Menge die vor mir herumschwärmte, und als ich die Ermüdung und den Kummer bemerkte, die auf allen Gesichtern gewählt waren - würd' ich plötzlich von einem sympathetischen Gefühl gegen ihren Zustand erschüttert. Elende Sterbliche! - rief ich aus — worauf zwecken denn alle eure Beschäftigungen ab ? Darauf, daß ihr glücklich leben wollt — wer hat noch des Glücks recht genossen? Macht denn das egypkifche Leinwand, machen persische Serdenzeuge diejenigen glücklich, die sich darin kleiden? da sie jenen Sklaven, denn ich daS Kameu führ?» sehe, das sie ihnen berbeytragt, äuserst ungiütfhd, machen ? Finden sie so viel Vergnügen an Dir Feinheit des Gewebes, oder an dem Glanz« der Farben, mit welchen sie die Gewohnheit bekannt gemach«
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