wdchenblätk. 19?
tjg und überall tauglich wäre. Freilich (sagte fein Herr) ist die Elle zu jjaufe sehr richtig; aber sie ist eö nur für mich: andere Leute müssen mit fremden Ellen gemessen werden. Die Erfahrung hat michS wohl gelehrt. Ich wurde oft genug betrogen , da ich mit meiner Elle der Einfalt und Aufrichtigkeit die Begierden anderer messen wollte.
Dieser Ehrenmann machte dem Lorenzo Gambara, einem berühmten brescianischen Dichter, Plaz. Ein Papagai hieng in dem Gewölbe , den er lange mit besonderem Vergnügen schwäzen hörte, bis er endlich fragte, wie theuer denn wohl der Vogel zu stehen käme ? Man foderke hundert und fünfzig Scudi dafür. Gut, sagte Gambara, ich bin mit dem Perge zufrieden. Nur daran stößt sichS: Ich bin nun nicht eben bei Geld; wollten sie mein Bette auf dem ich schlafe, und meine Meublen, |o wie sie ton zwei verständigen Männern geschäzt würden , nicht statt deS baarm Geldes annehmen? D-r Vorschlag ward sehr gerne sogleich angenommen, und Gambara trollte sich mit seinem Papagai ganz vergnügt nach Hause. MenanteS, der den Dichter immer für einen klugen und feinen Mann gehalten, konnte sich nicht genug über feine Thorheit ärgern, und bedauerte ihn von ganzem Herzen. Mein, sagte et zu ihm, da er ihm kurz darauf begegnete, ich weiß, daß sie nicht viel Geld auf die Straße zu werfen haben , wie können sie sich doch nicht! nur aller ihrer Meublen, sondern so gar ihres Bettes berauben, bloß um der Eitelkeit willen einen Papagai >u besitzen. Der Dichter gab ihm folgende Antwort; Sie müssen wissen, daß ich um die Glückseligkeit, diesen Vogel zu besitzen, nicht nur gerne alles hingegeben, was ich um und an habe; sondern daß ich mich darum im eNo'hfall bis aufs Hemd ausgezogen, und alS einen Galeerensklaven verkauft batte. Ich bin ein Lombarder, und ein gewöhnlicher Fehler meiner Landsleute und auch meiner, ist, daß wir von freier Zunge und emeS reinen Herzens sind. Vor Zeiten waren dies freilich Tugenden, aber m untern Tagen sind es die grausamsten Laster, die mir schon an Höfen und sonst, die äussersten Beschwerlichkeiten und Uebel zug-zogen haben. Von denen und allen, denk ich, soll mich mein lieber Vogel befreien. Er wird mjch die Tugend lehren, in ter andere Nationen so geübt und erfahren sind, und die uns einfältigen Lombardetn nur unbekannt ist, die göttliche Tu- oend, die wahren Gesinnungen der Seele zu unterdrücken , und blos mit dem Munde, auswendig gelernte Töne, wie sie jeder gerne hört, fertig ^"läppern. 0, , Aver-


