©tflftt WvPeiiblakk. Drcy und Zwanzigstes Stück.
Dienstags den 7. Dünn 1774»
Mit Hochfürstl. Hessen Darmstädtlschee gnädigster Erlaubniß.
Rath an ein Frauenzimmer.
/•L 6ren Sie, Belinda, die Gedanken eines Freundes an, die zwar un- Aj sanft sind, die Obren eines Frauenzimmers zu ergötzen, und ganz
<T anders, als die Schmeicheleien eines verliebten klingen; die Sie aber auf Wahrheiten bringen werden , welche das schöne Geschlecht von den Männern selten höret. Denken Sie nicht, daß es Ihnen unrühmlich fei, wenn ich Sie auf dasjenige führe, was die weibliche Eitelkeit ungerne einsieht. Ich verdiene einiges Lob, daß ich mich unterstehe, aufrichtig zu sein, und Sie verdienen ein viel grösseres, daß Sie die Aufrichtigkeit vertragen können.
Das Schicksal Ihres Geschlechts ist deßwegen schwer, weil das Frauenzimmer so, wie die Fürsten, mcht leicht wahre Freunde hat. Alle, die sich zu demselben nahen, suchen nur ihre Absichten zu erreichen. Buh^ ler und Hofieute sind zu feiten aufrichtig. Deßwegen verirrt sich manche unbedachtsame Schöne, und wird oft von ihrem vertrautesten Führer am ersten verführet. Wenn sie sich eben mit angenehmen Traumen von einer eingebildeten Macht ergözt, und vollkommen zu herrschen glaubt; so wird sie awdenn gemeiniglich am allerersten betrogen.
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