Ausgabe 
1.3.1774
 
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68 Wochenblatt.

n Mer bist du < Bekümmerter, und was ist die Ursache deiner Traurigkeit? sprach Omar. Mein Name ist Hassan, antwortete der Fremdling und ich bin in dieser Stadt gebohren. Der Engel des Un- h glucks bar seine Hand über mich aufgehoben , und es ist unmöglich, daß der Unglückliche, für welchen ich Mitleiden aus deinen Augen her- vorleuchten sehe, von dir Errettung hoffen könnte. Dich erretten, sprach n Omar, gehört allein demjenigen zu , von welchem wir beides Glück ii und Unglück mit Demuth annehmen müffen. Jedennoch verberge vor i» mir die Geschichte deines Lebens nicht. Denn, kann ich dich schon von deinem Elend nicht befreien, so hoffe ich doch wenigstens dir daffelbe er- ii kläglich machen zu können." Hassan schlug seine Augen nieder auf die Erve, schwieg still und verharrcte einige Zeit in dieser Stellung. Hier­auf holte er einen tiefen Seufzer, sah den Eremiten an, und erfüllte auf folgende Art sein Verlangen.

Nunmehr sind es sechs Jahre, seitdem unser mächtiger Beherrscher, der Kaliphe Almalick - Gesegnet sey sein Andenken - zum erstenmal in Dm Tempel der heiligen S^adr kam , seine Andacht insaeheim zu verrich­ten Den Segen, den er sich vom Propheten als sein Stadtbatter erbe­ten, theilke er flersig aus. Er gieng deswegen nach den Stunden scmer Andacht in der Stadt herum, um den Bekümmerten aufzuhelfen und dem Bedrängten Erleichterung zu verschaffen. Sein Schutz erquickte die Wit­wen und seine Güte unterstüzte die Schwachheiten des Altes und der Kind­heit. Ich, der ich kein Nebel, als nur Krankheit fürchtete, und nichts Gutes, als den Lohn für meine Mühe erwartete, fang bei meiner Arbeit als Almalik in meine Wohnung kam. Er sähe um sich herum, und lä­chelte mir sein Wohlgefallen zu, da er sähe, daß meine schlechte Wohnung dennoch sauber war und daß ich bei meiner Armuth dennoch Zufriedenheit bezeigte. Und weit davon entfernt, daß meine Freudigkeit durch seine Ge­genwart hätte sollen verringert werden, so nahm sie vielmehr zu.- Er war wie ein Pilgrim gekleidet, deswegen bemühte ich mich, ihn so gut zu bewirtben, als es in meinen Kräften stund. Nachdem er etwas Kaffee getrunken hatte, so that er einige Fragen an mich. Durch meine Antwor­ten suchte ich ihn zwar aufzumuntern, bemerkte demohngcachtet aber, daß er beständig tiefsinnig blieb , und mich mit gnädigen , doch unverwandten Blicken ansah? Ich vermuthete , daß er einige Kenntnis von mir haben möchte, und fragte ihn daher nach seinem Vaterland und nach seinem

Namen