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Wochenblatt- 579

Temperament; dieses ist ost die Ursache der Tapferkeit der Männer, und der Tuaend der Weiber. Das sicherste Mittel sich an einem neidischen Feinde zu rächen, ist tugendhafter zu seyn. Hierdurch wird er entweder vor Wutb bersten, oder er wird euer Freund werden; er ist kein Mittel. Setzet eurem Eifer Gränzen durch die Bescheidenheit, dem jrrtbume durch die Wahrheit, euren Leidenschaften durch die Vernunft, der Unmnigkert durch die christliche Liebe, und dem Aergerniß durch das gute Exempel. Einen aus dem Jrrthume ziehen, der von seinem vermeintlichen Verdien­sten eingenommen ist, heißt ihm einen eben so üblen Dienst erweisen, alS jenem Narren in Bedlam, der sich ungegründeter weise einbildete; datz alle Schiffe, die in den Haven von London einliefen, iym zu gehöreten; nun beging an ihm die Grausamkeit, ihm das Gegentheil zu beweisen. Das Geld giebt Ansehen, die Tugend Achtung: beydeS ist gut. D>e Kö­nige machen eS mit den Menschen, wie mit den Münzen; sie lassen sie gelten!, was sie wollen, und nichts was sie werth sind: man! muß sie nach dem CurS und nicht nach ihrem innern Wsrkhe nehmen. Em unfehlbares Kennzeichen seltener Verdienste ist, wenn sie auch diejenigen bewundern, welche sie am allermeisten beneiden: Willhelm 111. Georg I. und der große Türenne befanden sich allein diesem Falle. Man muß weder auf die Tu­nenden ffolr sevn. noch nfw Hi, Fchi-r , die man von der Natur bar Teb kenne einen Menschen, der sehr schielend, aber noch nicht alber, ner ist-dieses ist ihm natürlich. Seine Leidenschaft ist , für einen Men­schen aehalten zu werden, der Verstand und schön- Augen hat; anders stisirt m kenn als andere; eins von seinen häßlichen Augen unter seinen Hut ru verbergen, der eine Elle hoch, und -ine lang ist, und drey im Umfan. ae bat: gleich alS wenn man, wenn man sich lächerlich macht, aufhöre« re/albern und schielend zu seyn- CS giebt Leut-, welch- um ihr- Laster au verbergen, den Mantel der Tugend nehmen. Weil ich dieses Capi. rel damit angefangm habe, daß ich sagte, die Tugend wäre ihre eigene Belobnung; so endige ich mit der Versicherung, daß das Laster sein ei- aener Henker ist. Unser Gewissen ist em Richterstuhl, den wir überall mit unS herum tragen, der unS allezeit verdammet, und dessen Gerech­tigkeit uns entziehen zu wollen nicht in unserer Gewalt steht. Seine Bis­se sind ärger, als die Galgen von Tyburn.

B b b r Eine