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378 Wochenblatt»

seinem Stalle und in seinem Vorzimmer sind. SichdaS Glück des Mei­sen und das Unglück des Thoren vorstellen, ist der Anfang zur Tugend. Große Verdienste sind oft schwerer zu ertragen als große Fehler. Weder das Glück noch Die Geschicklichkeit geben wahre Verdienste: sie werden dadurch nur erhoben. Ehrliche l'eute erklären sich öffentlich für die Tu­gend; die Schelme heimlich. Die geringste Ausschweifung, welche eine vollkommene Person begeht, ist wie eine Verfinsterung ; jedermann sieht sie. Wenn man eine natürliche Neigung zur Tugend hat, so ijt es schön, ein Sklave zu seyn; allein es ist nicht allezeit rathsam, ihre Llberey zu tra­gen. Wer auf dem Wege der Ehre ist, muß jederzeit auf dem Wege der Tugend seyn. Es «st keine sichere Freystatt als die, wo man der Schan­de und der Reue entgehen kann; dieses ist die Tugend. Dre Welt be­lohnet öfter den Schein der Verdienste, als die Verdienste selbst. Es giebt Helden im Bösen, wie im Guten. Cromwell i|t der Beweis davon. Die Thoren haben greuliche Mängel; Leute vom Verstände haben mittel­mäßige: aber großen Leuten ist es eigen, große Fehler zu haben. Die Tugenden verlieren sich in dem Eigennutze wie die Flüsse im Meere; und eS ist oft schwer zu entscheiden, ob eine schöne Handlung eine Wirkung der Großmuth oder des Eigennutzes ist. Man verachtet nicht alle diejenigen, die verschiedene Laster haben: allein alle die, welche keine einzige Tugend haben. Man findet bisweilen.Verdienste ohne Beförderung : aber nie­mals Beförderung ohne Verdienste. Die Hsuchsley ist eins Unterthänig- keit, welche das Laster der Tugend erweiset. Es gehören mehr Tugenden darzu, das gute Glück zu ertragen, als das böse. Wenn man tugend­haft seyn will, so muß man oft das Gegentheil von dem thun was andere thun. Dieses ist kein Lobspruch für das Jahrhundert. Die Naturmacht die Verdienste; die Kunst macht sie vollkommen ; das Glück wendet sie an. Man thut bisweilen blos darum gutes, um ungestraft Übels thun zu können. Einen wegen der Tugenden, die er hat , ins Gesicht loben, heißt ihm Eitelkeit schuld geben: hat er sie nicht, so schimpft man ihn unge­straft; doch man vergiebt einen solchen Schimpf sehr leicht. Sparet eure Güter für die Gelegenheiten, brauchet die Gelegenheiten für euch'selbst, be­dienet euch eurer selbst für eure Seele, und wendet eure Seele zum Dien­ste Gottes an: er wird das übrige thun. Der tugendhafte Mensch hält (yott für einen Zeugen seiner Handlungen, und die Welt für sein Vaters land; x.og-f*"4 TrobJhq ei.ui, sagte ein Welkweiser; er hatte Recht. Unsere Tugenden sind oft nur verstellte Laster. Die Eitelkeit, die Schande, das

Tempe-