Ausgabe 
26.1.1773
 
Einzelbild herunterladen

i$ § w-chenblatk

eher wieder heben oder Herstellern können; biß wir die Ursachen davon ein- schen. Aber wie können wir eben dieses, wofern wir nicht eine sehr genaue und richtige Kentniß des beschädigten Theils haben? Niemand wird dem­nach in Zweifel ziehen daß die Kentniß deS menschlichen Cörpers von der großen Wichtigkeit sey.

Auf welchem Weg erlangen wir aber diese Kentniß ? Wie ergrün­den wir den Zusammenhang unseres Cörpers ? Wer zeigt uns die Lage, Gestalt, Verbindung, und Würkung seiner Theile? Wodurch wird eine so künstlich zusammengesetzte Maschine regieret, und in dem ihr einmal vor­geschriebenen Laus erhalten?

Alles dieses lernen wir aus der Zergliederungskunst. -Ohne sie kön­nen wir die Krankheiten nicht einsehen, vielweuiger abwenden und Hellen. Sie ist das Licht das uns in höhern Wissenschaftenden Weg zeigen muß, und der Grund worauf die ganze Heilungskunst beruhet. Wie unendlich groß ist demnach ihr Nutzen. Welchen Vortheil hat mcht unser Jahr­hundert vor den vorhergegangenen, indem diese so nüzliche und unentbehr­liche Kunst noch täglich durch den unermüdeten Fleiß ihrer Verehrer immer mehr ausgebreitet, und mit neuen Entdeckungen bereichert und verschönert wird. Mit dem unterthänigsten und ehrfurchtsvollen Danck erkennen wir auch in Gießen die preißwürdigste Gnade und Vorsorge unseres durch- Lauchngsten Landesherrn als welche eine gnädige Verordnung ausge- hen zu lassen geruheten, vermöge welcher alle Bettler und Landstreicher zum Nutzen der hier Studirendenin die hiesige Anatomie geliefertundzergliedert werden sollen. Seit dieser gnädigsten Verordnung haben wir nun seit ci- Men Jahren keinen Mangel an toden Cörpern gehabt. Aber auch die­jenige Cörper der Armen Die als ehrliche Leute gestorben , sollen nach der Section öffentlich und mit allen Feyerlichkciten zur Erde bestattet werden, um das alberne Vorurtheil auszunmtzen, als ob die Anatomie eine Ehr- löstgkeit nach sich ziehe.

Man hat vor einigen Tagen den Anfang gemacht diese rühmliche Handlung wiewol nicht ohne Mühe zur Ausübung zu bringen und einen Cörver aus dem theatro anatomico mit den gewöhnlichen Veerdigungs- ceremonien zum Grabe gebracht. Die ansehnliche Anzahl derer Herrn Me- dicin studirenden, einige Herrn Profeflbres unD OoÄoresder Medicin, nebst den sämtlichen Herrn Chirurgis folgten Der Leiche« Der Herr Prof. Dietz