Ausgabe 
23.3.1773
 
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Wochenblatt» -r

daß sie auch selbst in dem Schweiß ihres Angesichts ihren Unterhalt küm­merlich für sich und ihre Kinder erwerben können, welch trauriges Schick­sal einem jeden wahren Menschenfreund sein Herz erweichen und ein solcher dasselbe billig beiammern muß.

Wer die Welt von dieser Seite mit einem zärtlichen Gemüthe und gesundem Verstände betrachtet, dem kann fteylich die Einrichtung dersel­ben weder billig noch vernünftig scheinen ; wer aber die Menschen kennet und ihre Handlungen und Leidenschaften nebst denen verschiedenen Talen­ten, Geschäften und Verdiensten derselben mit einem aufmerksamen Auge, beobachtet, und dabey den beständigen Wechsel in dem menschlichen Le­ben in Betrachtung ziehet, der wird leicht gewahr, daß die menschliche Gesellschaft keine bessere Einrichtung bekommen hak, noch irgend ein Gleich­gewicht in dem Vermögen und guten Zustande des einen Menschen gegen des andern eingeführt werden können.

Viel Elend ist auch in das menschliche Leiden eingeführt worden, von dem man in dem Stande der Natur nichts wußte: hierunter sind insbesondere die unzählige Krankheiten zu rechnen, die zum Theil aus der Sättigung aller lasterhaften Begierden, zum Theil aber dahero entsprin­gen, daß so viele Menschen mit so verdorbenen Säften auf die Welt kom­men , daß sie auch mit aller Mäßigkeit das gehörige Lebensziel nicht errei­chen können, wo sie nicht in ihren ersten Jahren wieder dahin sterben; an allem diesen Unheil sind die Menschen guten Theils selbst Schuld. Ganz anders verhält es sich mit der unglaublichen Dürftigkeit des gemeinen Mannes in so manchen Staaten, und der dahero entstehenden Millionen Seufzer, woran manches harte Regunent die Grundursache ist, da man sich mehr bemühet übermäßige Abgaben von ihnen zu ziehen, als ihrer gro­ßen Armukh durch eine weise Einrichtung des Staats, und dahero fliessen­de Verbesserung ihrer Umstände zu Hülfe zu kommen; insbesondere wird der Landmann in manchen Staaten neben dem nicht der geringsten Ach­tung noch Anleitung seinen Landbau vortheilhafter einzurichten gewürdiget, sollten auch alle Einwohner darüber zu Grunde gehen»

Solche Regenten sind mehr scharfe Peiniger als Vater ihres Volks und von den Gesinnungen König Heinrich des 4ten in Frankreich, welcher große Monarch die Liebe und die Lust seiner Unterthanen war, weit ent#

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