Wochenblatt. 4°J
rommenbeit zuträglich sey: so würde er sie gewiß nicht unternehmen; allem , wenn er diese nemliche Vollkommenheit nicht liebte, was wurde ee wohl für Vergnügen finden, dieselbe zu vermehren und dasjenige zu thua was derselben würdig ist? Und so er sich nicht sechsten liebte, warum so te ihm dann feine Vollkommenheit lieb seyn? Esgiebk verschiedene Bevspme, die man vielleicht meinem Satz entgegen sitzen dürste, und in unserern^a- qen giebt selbst das Reich Der Liebe deren merkwürdige an Händen. Man sichet sehr öfters Liebhaber, die sich selbsten gänzlich zu vergessen scheinen, um an ihren geliebten Gegenstand desto stärker denken zu können. Dieses zeiget nichts anders an, als daß dergleichen Liebhaber alle ihre andern Vortheile, welche ihnen als Kleinigkeiten vorkommen, über Dem Haupt, vortheil, den sie durch den Besitz einer geliebten Person erhalten, vergessen, und sich an dem völligen Genug der Liebe wegen des kleinen Verlustes hinreichend schadlos halten. Allein man dürfte ferner einwenden, daß gleichwohl ein aufrichtiger Liebhaber bey dem Glück oder Unglück, welches dem Gegenstände seiner Liebe betrift, tausendmal empfindlicher.geruh- ret werde, als welches ihm selbst zustüffet. Dieses ist zwar nicht zu läugnen; es wirst aber Dennoch meinen angenommenen Satz gar mcht über den Hausin. Lieben beißt so viel als die Glückseligkeit eines andern wollen oder verlangen. Nun ist es ganz natürlich, daß wir nochwendig em Vergnügen empfinden müssen, wenn wir unfern Willen, unsere Vegier- Den und Wünsche erfüllet sehen, und es kann sehr oft geschehen, daß un- fere Einbildungskraft so stark von Dem geliebten Gegenstände eingenommen ist, daß wir unsere ganze Aufmerksamkeit nur auf das richten , waS demselben begegnet und uns im Gegenkheil um die Dinge, die uns selbst unmittelbar angehen, wenig oder gar nicht bekümmern.
Ausserdem findet ein Mensch, der sich einer Standhaftigkeit rühmet, bev sich hinreichende Stärke, um den heftigen Anfall, den ein unvermu- kher Glücks-oder Unglücksfall aus sein eigen Gcmüth machen kann, merklich zu schwächen. Denn es sagt ihm schon Die Vernunft, daß es einem vcrstä' diaen Manne eben so unanständig sey, sich Der heftigen Bewegung
Freude unbedachtsamer Weise zu überlassen, als es einem großen Geiste unanständig ist, wenn er sich Durch die Wiederwärtigketten laßt zu Boden drucken. Allein alle diese Bewegungsgründe fehlen ihm, so bald es . CiOe Person betritt , welche er liebet. Diese nemliche Unempfindlichkeit, welche er sich in Absicht seiner als ein großes Verdienst anrechnet, wurde
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