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Wochenblatt. W1

niß aus mit seiner Frau allein zu sprechen. Er gestand ihr steymüthig die Schändlichkeit seines bisherigen Lebens und daß er sie durch feine Faulheit in dis Elend gestürzt hätte. Ja, er ging so weit, daß er sich anheischig machte, an ihrer Stelle die Strafe zu leiden. Die Frau willigte tn den Vorschlag ihres Mannes. Sogleich ging Johnson zu den Richtern und gab sich als Den Thäter an. Er begleitete dieses Gestündniß mit einer um­ständlichen Erzählung alles dessen, was er zur Beschönigung seiner Aussa­ge erdichtet hatte, welche er so wahrscheinlich zu machen wüste, das zuletzt die Zeugen selbst glaubten, daß sie in Ansehung der Person geirrt haben könnten. Als die Zeit kam, da der Mann zum Gerichtplatz geführt wer­den sollte, wurde es für seine Frau ein unerträglicher Gedanke, daß sie ihn um ihretwillen sterben sehen sollte. Sie versicherte, daß sie den Diebstahl allein begangen hakte und rheilte den Richtern die Unterredung mit, welche sie mit ihrem Mann gehabt hatte, ehe er sich selbst als den Thater ange­geben. Die Richter wurden durch einen so seltenen Beweist von wechselsei­tiger Großmuth und ehelicher Liebe gerührt. Sie sahen mit Erstaunen» mit welcher erhabnen Tugend ein paar gemeine Leute den Tod verachteten. Und niemand wird sich wundern , daß man ihnen beiden das Leben schenkte Als diese Eheleute wieder in Freybeit waren, so wurde Johnson der ar­beitsamste Mann und sie das glücklichste Weib. D>e Großmuth einiger Privatpersonen, die von dieser heroischen Handlung gchört hakten, unter­stützte ihren Fleiß: und nach dem traurigen Schicksal , das ihnen ihr Le­hen verbittert hatte, genossen sie das Glück und Die Zufriedenheit der Tu­gendhaften. -

Diese Geschichte beweißt so viel, daß auch schlechte Leute bisweilen erhaben denken und großmükhig handeln. In einer jeden Seele, wenn sie nicht ganz verwildert ist, liegt der Kenn zu edlen Gesinnungen , wel­cher sich bet) gewissen Veranlassungen entwickelt. Hatte Johnson das Glück einer guten Erziehung genossen, und Hätte er Gelegenheit gehabt, Die rohe Anlage seines Herzens auszubilden und durch den Umgang mit Gutgesinnten zu veredeln, so würde er der zärtlichste Ehemann, Der recht­schaffenste Handwerker und Der brauchbarste Bürger worden seyn. In den meisten Fällen verdienen die Geringen und Armen unter dem Volk, wenn sie auch zu niedrigen Handlungen verleitet werden, Nachsicht und Mitleiden. Man versetze sich in die Umstände dieser Elenden. Man sey von Eltern gebohren, von welchen Niederträchtigkeit auf die Kinder fort-

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