Wochenblatt. 43
Die Gemahlinn des Grafen ward beynahezu eben derselben Zeit von den Blattern befallen. Sie hatte eine Katze, welche die ganze Krankheit hindurch nicht von ihr kam; sie lag stets auf ihrem Bette, und ward recht aut gefüttert, denn sie bekam alle Ueberbleibsel von dem Essen , das der Gräfin geschickt ward. Nach dem Futter zu urtheilen, hätte man glauben sollen, sie müsse recht fett werden ; allein ohngeachtet sie fast beständige schlief, so ward sie doch dermaßen elend, daß sie noch drey Wochen eher starb, als die Dame gesund ward; und -ederman war überzeugt, diese- Tbier habe die Blattern gehabt, deren Gift es in die elenden Umstande versetzt und seinen Tod verursacht habe. Diese Beobachtung macht da- Vorgeben einiger Schriftsteller wahrscheinlich, welche behaupten, daß die Thiere von den Krankheiten der Menschen angesteckt werden können. Man hat uns durchgängig versichert, daß die Hunde, wenn sie sich bey solchen Personen, die mit dem Podagra behaftet sind, in einem Zimmer befinden, diese Krankheit gleichfalls bekommen.
Indessen'giebt es auch Begebenheiten, die man verwerfen sollte, da sie wider die Vernunft streiten, und lediglich unter die Classe der Gauke- leyen und Taschenspielerkünste gehören ; dergleichen Begebenheiten crzehlt der Ritter Börry. Dieser Alchymiste rühmte sich, wenn er den Saft einer Pfianze ausdrücke und in eine Flasche mit einem langen Halse thue; so rönne er ihn in trockene Erde verwandeln; und wenn diese Erde in eine Hitze gesetzt würde, die dem Balneo Mariae gleich sey, bringe sie die Gestalt der Pfianze wiederum hervor. Gleichergestalt that er in seine Bou- rriüe frische Erde von einem Gottesacker, und wollte die Leute bereden, al- habe er tausend Geister und Gespenster gesehen. Diejenigen, welche in allen Theilen von Europa dem Publico mit Kunststücken aus der Experimentalphysik die Zeitvertreiben, verrichten diese Art der Auferstehung oder Palingenesie, durch eine Art von klebrichter Tinte, die keine Farbe hat, und mit welcher sie die Grundrisse derjenigen Blume oder Pflanze, die sie sichtbar machen wollen, auf daS Pappier zeichnen. Hierauf bestauben sie das Pappier mit einer zartgeriebenen bunten Erde, oder mit Sand. Es läßt sich leicht begreifen, daß die Zeichnung , die aus einer Art Leim besteht, die Farbe behalten und die Gestalt der verbrannten Pflanze darstellen muß. Manchmal nehmen sie Eisenfeilspäne, die sie mit der Erde oder Asche der Pfianze vermengen , und mit Hülfe eines Magnets wird es ihnen leichte, die Feilspäne abzusondern und die Gestalt der Pflanzen zu
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