Wochenblatt. i8i
vor. Wer vermachet sie nicht, bey einem reichen venetianischen Kaufmanns, einem jungen verliebten Menschen, und einem Mädchen von achtzehn Jahren, welches nicht wider ihren Willen, zu ihrer Hochzeit reit sete? Verschiedene Türken, kamen sie zu kaufen. Das junge Mädchen wurde zuerst weggeführt.
Die Bestürzung des Liebhabers bey dieser kläglichen Trennung, läßt sich nicht beschreiben. In wenig Tagen sein Vermögen , feine Freyheik, und seine Geliebte verlieren, das beißt, auf einmal solche Schlage em- pfinden, davon jeder allein als das grausamste Unglück angesehen werden kann. Wenn man den Verlust der Geliebten als Den grösten ansieht, der den brünstigen Liebhaber verhindert, die andern Schläge zu fühlen, fo muß man Den Schmerz darüber, als Den heftigsten unD schrecklichsten ansehen. Man setze hinzu, daß der Türke, welcher die junge Maltheserinn kaufte, selbst ein junger Mensch war, der auf den ersten Anblick bezaubert von ihr zu styn schien, und sich gleichsam im Triumph mit einer fo schönen Beute hinweg begab.
Der Genueser überließ sich der Verzweiflung, als er selbst von einem Türken gekauft wurde, Der mit seinem Wüchse, und feiner Jugend zufrieden war. Die Ungläubigen schonen einen Christensclaven nicht mehr, als wir ein Pferd schonen, und Der junge Mensch, Der in Der Niederge- schlagenheit seines Gemüths Den Kopf hängen ließ, muste erwarten, daß man ihn auf eine rauhe Art in Die Höhe stoßen würde, um fein Gesicht recht zu betrachten. Indessen begnügte sich doch der Türke, Der feine Gestalt untersuchte, nur damit, daß er ihm mit vieler Sanstmuth, DaS Kinn in Die Höhe hob.
Ein einziger Blick gab ihm in Diesem Sklaven feinen Vefreyer zu Livorno zu erkennen. Es war eben Der Türke, welchen Der junge Genueser vor vier Monathen von seinen Ketten befreyt hatte. Das Erstaunen benahm ihm anfänglich Die Sprache. Er glaubte seinen eignen Augen nicht: Er Hub wohl zwanzigmal Die Hände gen Himmel, um feinen Propheten und alles was ihm heilig war, zu Zeugen zu nehmen. Endlich warf er sich mit einem von Zärtlichkeit und Freude aufgeschwollnen Herzen, in einer unaussprechlichen Regung Der Erkenntlichkeit, vor Den Augen aller Welt, zu Den Füssen seines WohlthäterS. Er rief, indem er
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