«4* Wochenblatt- ,
Die barbarischen Tyrannen von Konstantinopel, die sich so ost mit dem Blut ihrer Brüder und ihrer Veziere befleckt Haven, begegnen allen europäischen Königen, wie die Römer ehmalS den kleinen Fürsten von Cappadocien und Judäa begegneten. Sie betrachten unsere Gesandten nicht anders, als Consuln der Kaufleute.
Herr Porter, ehmaliger Gevollmächtigter zu Konstantinopel, lehrt unS, daß unsere Gesandten zu ihrer ganzen Sicherheit weiter nichts haben, als gewisse Bewilligungen, von denen man ihnen nur Abschriften, die nicht einmal authentisch sind, überläßt, und einige Frevheiten, die durch den Gebrauch vestgesetzt sind, und ihnen immer streitig gemacht werden.
Er sagt uns, der Großvezier Jein Ali Pacha habe sie vor nicht gar langer Zeit in die Fürsten -Insel einschränken wollen.
Wenn ein Gesandter vor dem Großvezier zur Audienz gelassen wird, so läßt ihn dieser auf einem Sopha liegende Barbar auf ein kleines Ta- bouret niedersitzen, sagt ihm hier Worte, und schickt ihn zurück: Zween Thürhüter'fasien ihn bev den Armen, um ihn Iputn zu schwenken und eine knechtische Verbeugung vor dem Herren machen zu lassen. Die Bedienten spotten und zischen ihm nach. Wenigstens ist eS noch nicht lange, daß diese Etiquette beobachtet wurde.
Wenn er zu der unnützen Audienz des Sultans will, so laßt man ihn zwo Stunden, und oft im Regen und Schnee» in einem kleinen dreye. ckiaten Hofe warten, unter einem Baume, der mit einer alten verfaulten Bank umgeben ist, auf welcher eben die Küchenjungen Ihrer Hoheit sich gelagert hatten. So folgt eine Dehmüthigüng auf die andre. Er selbst läßt von diesen Beschimpfungen sich nichts merken , und berichtet dann seinem Herren, daß er mit allen Arten von Ehrenbezeugungen ausgenommen sey.
Man weiß, was für unwürdige Begegnungen dis Venetianischen Residenten oft haben ausstehen müssen. Der französische Hof kann eS noch nicht vergessen chaden, daß in der glänzenden Zeit Ludewigs des vierzehnten der Großvezier Mehemet Kuproglif im Jahre i6$s. dem Herrn de la Haye Vantelet, des französischen Gesandten Sohn, der selbst Gesandter und, noch mehr, Vermittler zwischen dem türkischen Reich und Venedig war, in der Audienz eiyen Schlag mit geballter Faust ins Gesicht geben ließ. Man schlug diesem Minister einen Zahn aus, man warf ihn ins Gefäng. niß; und warum verübte die Pforte gegen ihn diese Grausamkeiten? Weil


