Wochenblatt» <7
tigkeit unserer Beleidiger, wird von dem unbegreiflichen Schicksal mit einem erwünschten Ausgang begünstiget. Der reiche Thor wird zufälliger Weise, ein Doktor; und der arme Musenfreund, verschon dreyßig und mehr Jahre auf den freundschaftlichen Besuch eines glücklichen UngejKhrs gewartet, muß zuletzt noch froh seyn, wenn ihn der mürrische Charon nur unentgeltlich überfahret. Doch dieß hat alles nichts zu sagen ! Ein wahrer Verehrer und fleißiger Erforscher der wunderbaren Regierung eines allmächtigen Wesens, wird sich nicht nur über eine so widernatürliche Einrichtung der Welt gar nicht ärgern, sondern vielmehr, mit einer geheimen und ganz entzückenden Freude, die Regierungsform der unerforschlichen Vorsicht alö dem Jnnbegriff aller Gerechtigkeit ansehen. Bey dem Anblick eines reichen Thoren, bedauert er das Unglück derjenigen, die das Schicksal dahin verdammet, ihren Verstand in einem gestrickten Beutel herum zu schleppen. Mit der lArmuth seines Rechtschaffenen hat er zwar ein aufrichtiges Mitleiden, doch frohlocket er heimlich in seinem Herzen, daß der gütige Himmel denselben, durch den Verlust vergänglicher Schätze, des Besitzes der unvergänglichen desto gewisser versichern wollte. Die plötzliche Vereitelung eines wichtigen Entwurfs giebt ihm Gelegenheit da- unfehlbare Daseyn eines einzigen Beherrschers aller Dinge desto mehr einzusehen , und zu glauben. Die blutige Niederlage so vieler tausend Menschen überzeuget ihn, von der unumschränkten Macht eines allgewaltigen Gottes. Die scheinbare Verächtlichkeit deS ungefähren Entstehens einer zufälligen Sache ist ihm eben das Bewunderungswürdigste unter allem. Er bleibet nicht bey den ersten Würkungen zufälliger Begebenheiten stehen, sondern wartet ganz gelassen aus die entscheidenden Stunden ihrer beson- dern und allgemeinen Folgen. Findet er dieselben schröcklich, so legt st ehrfurchtsvoll die Hand auf den Mund, und beugt seine Knie vor der Macht, die auch alle Bewohner dieser Erde, ohne den geringsten Verlust ihrer Vollkommenheit, in die Abgründe deS ewigen Verderbens stürzen könnte. Findet er sie aber herrlich, so betet er mit innigster Entzückung die Gottheit an, die sich deS geringscheinenden Mittels eines ungefähren Zufalls auf eine so herrliche Art zu bedienen weiß. Er bemerket sehr überzeugend, daß das meiste von dem verkehrten Lauf dieser Welt nur in un* fern blödsichtigen Augen so unrecht auSsehe. AuS so vielen unläugbaren Excmpeln, hat er wahrgenommen, daß die göttliche Gerechtigkeit ihre ganz eigne und besondere Stunden habe. AuS dem vortreflichen Zusammenhänge so vieler vorher wiedrig geschienen Dinge, bemerket er die Allge- I * irugsamkeit


