Einzelbild herunterladen

Wochenblatt. tt

ganze Jahre auf die Bezahlung warten. Sie sagen , wir haben ihm als ehrliche Leute gedient, und man denkt es um so viel eher von ihnen, well Die meisten arm sind. Er hingegen versichert, daß ihre Rechnunaen nicht ehrlich gemacht waren, sie hatten zu viel angeschrieben; dabey wa­ren sie listig genug , ihre Rechnungen so einzurichten, daß sie daraus kei­nes Betruges überfuhrt werden könnten, er könne sich nun nicht anders an ihnen erhöhten, als durch Aufschub der Bezahlung. In wie fern sein Vorgeben Grund hat, entscheide ich jetzo nicht. Wenn mir recht ist, so leuchtet aus seinem filzigten Betragen eine andere Ursache : Der Mann giebt ohngefähr das Jahr zoo Fl. an seine Arbeiter; wenn nun dies Geld von ihm ein Jahr zurückbehalten wird, so hat er schon ioFl. erobert, oh­ne darnach zu fragen, ob sein Arbeiter, weil er ihm die Bezahlung vor­enthalt, Schaden leidet oder nicht. Ja er hat auch wohl diesen in seinen Augen gerechten Fehler, daß er seine Dienstbothen bey dem geringsten Versehen, ohne Lohn verabschiedet. Er ist doch cm ehrlicher Mann; wenigstens wird er von seinen Gesellschaftern dafür ausgegeben ; denn er zahlt beym Spiele richtig und ehrlich. Niemand unterstehe sich , ihn zu schimpfen, denn sein Geld hat Ansehen. - Die Gesetze verbiethen alle Privatbeschimpfungen. Sizt ein solcher Mann in öffentlichen Aemtern, und betrügt wo er kann und weis: so darf sich doch niemand unterstehen, ihm ungestraft Vorwürfe zu machen; ich wolle es niemand rathen, ihm den Namen eines ehrlichen Mannes öffentlich vorzuenthalten, er würde alle seines gleichen gegen sich reitzen.

Es giebt also Falle, wo ein ehrlicher derjenige genennt wird, den man nicht emen unehrlichen, unredlichen ungestraft heissen darf, dem man sonst widrigenfalls öffentliche Abbitte und Ehrenerklärung thun muß; weil man es zwar glauben kann , aber nicht sagen soll. Die Höflichkeit verlange diese Verlaugnung.

. -Ä Mann nach der Mode leben heißt insgemein, reich und uberflußig leben, alle Thorheiten, die reichere und vornehmere be­gehen, nachthun; um seinem Range keine Schande zu machen, mehr aus­geben, als man einzunehmen hat, und ein gut Theil Schulden hinterlas­sen, die nicht bezahlt werden können, oder ein Capital schleifen , welches ihm nur zu adrninistriren anvertrauet war. Der ehrliche Mann - die Frau, die treulich darzu geholfen hat, fordert ihr Eingebrachtes, und ist

H r ver-