4vr Wochenblatt.
Gegenliebe: und es ist doch nichts, als Liebe, was mit Gott mein Heiland erwiesen hat. Freylich ist seine Liebe unschätzbar und auch selbst durch die stärkste Gegenliebe nicht zu vergelten. Allein ich will nur redlich soviel thun, als mir möglich ist: ich will ihn so stark lieben, als mir seine Gnade Kraft dazu schenkt. Alsdann hoffe ich, wird er sich meine schwache, aber aufrichtige Liebe Wohlgefallen lassen. Die Liebe zu Jesu soll mich an* treiben, meine höchste Belustigung in ihm zu suchen und die Betrachtung seiner ÄZohlthaten mein liebstes Geschäfte seyn zu lassen. Ich will nichts so begierig suchen, als die ununterbrochne Gemeinschaft des Glaubens mit ihm. Voll Eifer will ich mich bemühen, mich von allem zu reinigen, was dem Freunde meiner Seele mißfällig seyn kann. Ich will ihm mein ganzes Leben widmen, um durch willige Erfüllung seiner Gebote ihm wohlgefällig zu werden. Dir, mein Heiland will ich mich selbst und alle meine Begierden aufopfern. Bey deiner Krippe will ich lernen, allen Eigenwillen, allen Stolz zu verläugnen und so willig wie du gethan, um deö Besten anderer willen, alle Unbequemlichkeiten zu übernehmen.
Dis seyn die Empfindungen, mein Christ, durch welche du die Fey- er d«'s Geburtsfestes Jesu zu heiligen verbunden bist. Jede derselben müsse noch viele andre Ueberzeugungen zur Quelle und noch viel andre Rührungen zur Begleitung haben. Aber deine Bewunderung sey keine Tochter )erUnwissenheit, sondernder überzeugenden Erkenntniß. Denke daher )en Wundern der Gnade Gottes fleißig nach, wenn schon nicht, ihre Tie- en zu ergründen, dennoch ihren Inhalt und ihre Gewisheit zu erkennen. Int) wenn dich denn die Größe und tiefsinnige Weisheit in Erstaunen etzt, so laß sie dich zur aufrichtigen Verehrung dessen , der in der Höhe wohnet, und zum demüthigen Gefühl deiner Schwachheit-leiten. Eben so sehr verhüte, daß deine Hofnung keine blinde Ueberredung sey. Ist sie in dir das Werk eines ungefärbten Glaubens, mit welcher reinen Freude wird sie sich alsdann in dein Herz ergießen, und wie mächtig wird sie dich bey allem Ungemach dieses Lebens ausrichten, weil nichts deineFreude von dir nehmen kann. Und endlich die Liebe, die du deinem Erlöser schuldig zu seyn glaubest, sey nie von Dankbarkeit gegen ihn getrennet. Strenge deine Kräfte an, o Christ, denn der so viel an dich gewandt hat, ein reines Herz und einen wohlgefälligen Wandel zu opfern.
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