Wochenblatt/ iS;
Mittel wider mancherley Rrankheiten des Rindviehes.
Dauns das Rindvieh einen sehr beträchtlichen Theil unserer Bedürfnisse liefert; ja wenn wirmit Grund behaupten können, daß eiugroßeS Theil der Wohlfahrt eines Landes, auf guten und gesunden Heerden von' demselben beruhet; so dürfen sich Gelehrte gar nicht schämen , sich um dtt Gesundheit derselben zu bekümmern, die Krankheiten des Viehes zu untersuchen, und taugliche Mittel durch allerlei) Versuche zu erfinden , damit demselben vorgebeugt, und wenn man einen Mangel bey ihnen spüret, ihm abgeholfen werden könne. Und weil viele Gelehrte'in und außerhalb Teutsch- land sich diesen Theil der -Oeronomie schon;nm GegenstandnhrerVntersu- chungen gemacht haben- so darf ich auch nicht befürchten, deswegen gespottet zu werden, wenn ich einige gesammlete Mittel zum Vesten des gemeinen Wesens mittheile, die der Landmann in einigen Gegenden Teutsch- lands, bey vorkommenden Anstößen des Rindviehes, mit Vortheil zugebrauchen pflegt. - ■
i) Daß die Rühe nicht verwerfen oder absetzem - '■*
So lange die Kuh mit dem Kalbe gehet, muß man fleißig Achtha- >en, daß sie weder durch Springen über'oder in weite Gräben, noch durch iar-kes Anlaufen wider die Hecken und Stauden etwas am Leibe verren- 'en, zerfallen, zerstoßen, oder auf andere Weise beschädigen möge. Wenn ich aber junge Kälber von anderthalb Jahren belaufen haben, verwerfen re gemeiniglich; wenn sie aber geworfen haben: so haben sie keine Milch. In diesem Falle muß man ihnen gekochten Haber gehen, oder,aufs Futter streuen, so bekommen sie Milch.
r) wenn einer trächtigen Ruhe Blut abgehr/ und man besorgt, daß sie verwerfen möchte: so giebt man ihr Fenchel mit Honig auf Brod ein. , ••
z) Wenn eine Ruh mitdemRalbe über die gewöhnliche Zeit gehet.
Man kochet Zwiebelschalen, einen guten Theil Poley und ganzen Safran zusammen in Bier ab, und giebt es ihr zwey oder dreymal ein, so wird das Kalb von ihr gehen, es fey tod oder lebendig. Doch muß dieses Mittel nicht vor der Zeit, da etwan die Kuh ordentlicher Weise noch trächtig wäre, gebraucht, und dadurch das Kalb muthwillig in Gefahr gesetzt werden. (Die Fortsetzung folgt)


