Wochenblatt. i7)
der hierzu nöthigen Geduld und Arbeitsamkeit gar nicht verstehen, oder doch nicht mehr lernen und übersehen können.
Es wird wohl niemand so einbildisch seyn, daß er glaubt, die Geschicklichkeit eines Staatsmannes werde schon durch die bloße hohe Geburt, ohne alle eigne Arbeit erlangt. Welche Mühe wird angewandt, einem jungen Herrn von Stand die Geschicklichkeit züm Tanzen oder Reuten bey- zubringen? Niemand zweifelt daran, daß diese Dinge Achtsamkeit und Hebung erfordern. Aber was ist die Kunst zu Reuten oder zu Tanzen gegen die Geschicklichkeit ganze Lander zu regieren? Würde demohngeach- tet nur eben so viele Zeit auf die Bildung der Seele eines zukünftigen vornehmen Mannes verwendet, als man in seiner Jugend würklich auf die Bildung und Auszierung seines Körpers, auf die Erlangung einer gewissen Fertigkeit in den sogenannten Leibesübungen, und mancher andrer äußerlicher Geschicklich-und Artigkeiten der heutigen Welt, welche bey den wichtigsten Aemtern im Staat zwar jederzeit eine Zierde, niemals aber etwas wesentliches sind, verwendet., so würde man schon viele Hofnung von der Erziehung junger Standespersonen haben können. In andern Fallen verfährt man würklich,nach der vernünftigen Regel: daß man hauptsächlich diejenige Stücke erlernen und treiben müsse, die in unsrer künftigen schon bestimmten Lebensart unentbehrlich sind. Was würde man von der Erziehung eines jungen Officiers für ein Urtheil fällen, wenn man sähe, daß man denselbigen in allen möglichen Kenntnissen , nur nicht in denjenigen unterrichtete, die in seinem Stand unumgänglichnöthigsind, wenn er von allen Wissenschaften nicht nur allgemeine Begriffe hätte, sondern auch die- selbige so gar gründlich und als Kenner verstünde; hingegen in allen Stücken , die sich auf den Militairstand beziehen , ganz und gar unwissend wäre; und ein junger Officier sich in den Kopf setzte, die mathematischen Wissenschaften gänzlich zu versäumen, nur damit er Zeit genug übrig haben möchte, um auf der Violin ein Meister zu werden ? Wird ihm seine Violin, die er immer spielen kann, wenn er sich erholen will, und nichts nöthigers zu thun hat, wohl alsdenn von einigem Nutzen seyn, wenn er einen gefährlichen Posten vertheidigen, oder ein vorlheilhastes Lager mit feinen Truppen beziehen soll?
ir/j. Warum sollte man in der Erziehung eines jungen Herrn, der zu Mm Staatsmann bestimmt ist./ nicht die nemliche Regel befolgen? Oder ' 3 3 s ist


